Freitag, 13. März 2009

Zum Thema FSK-Kennzeichen: Das Familienministerium hat geantwortet!

Es gibt neues zum Offenen Brief gegen die Neuregelung der FSK-Kennzeichnung!
Wie bereits gesagt schickte ich den Brief per E-Mail an das Ministrium, nachdem ich lernen durfte, dass die Webseite "Direkt zu" etwas gegen ausführliche und fundierte Argumentationen hat.

Gerade eben entdeckte ich in meinem Mail-Kasten eine Antwort vom Bundesministerium. Sie ist noch dampffrisch. Und mehr als heißer Dampf steckt auch nicht im Inhalt.

Dennoch möchte ich euch diese Antwort nicht vorenthalten:



Sehr geehrter [Sir Donnerbold],

vielen Dank für Ihr Schreiben an das Bundesministerium für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend.

Die Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern, ob zustimmend oder kritisch,
helfen uns, gute Politik zu machen und besser einzuschätzen, wie Politik und
ihre Auswirkungen im alltäglichen Leben ankommen.

Zustimmende und auch kritische Meinungsäußerungen fließen in die
Überlegungen der Ministerin zu anstehenden politischen Veränderungen ein und
werden ausdrücklich begrüßt.

Angesichts der großen Menge an Eingaben, die das BMFSFJ erreichen, ist es
nicht möglich, ausführlich zu den verschiedenen Äußerungen Stellung zu
nehmen. Bitte haben Sie hierfür Verständnis.

Für einen effektiven Schutz von Kindern und Jugendlichen ist die Beachtung
der Jugendschutzvorschriften in der Praxis überaus wichtig. Weil die
bestehenden Verbote vor Ort auch durchgesetzt werden müssen, ist es
erforderlich, verbesserte Rahmenbedingungen für die zuständigen
Kontrollbehörden zu schaffen.

(Kommentar von mir: Wow. Sechs Absätze lang um den heißen Brei herumreden. Mir aber verbieten, auf "Direkt zu" einen langen Beitrag zu verfassen. Ich hatte wenigstens gehaltvolle Zeilen zu bieten!)

Die Festschreibung der Mindestgröße und Sichtbarkeit von Alterskennzeichen
dient dazu, dass das Verkaufspersonal auf einen Blick erkennt, für welche
Altersgruppe die Bildträger mit Film- und Spielprogrammen freigegeben sind.
Gewerbetreibende und Veranstalter, die Bildträger an Kinder und Jugendliche
abgeben, für deren Altersstufe sie nicht freigegeben sind, können mit einem
Bußgeld bis zu 50.000 Euro belegt werden.

(Kommentar von mir: Okay, das ist mir neu. Hätte es sicherlich noch irgendwo im Internet erfahren können, bislang jedoch ratterte ich an dieser Information vorbei. 50.000 Euro Bußgeld sind happig. Würde man das jetzt noch verfolgen, hätten wir ein Problem weniger. Davon abgesehen bemerke ich eine geflissentliche Ignoranz gegenüber meinem Argument, dass es ja bereits Verkaufsperren gibt)

Ich finde es bedauerlich, dass Sie die neuen deutlich sichtbaren
Alterskennzeichen auf Verpackungen von Filmen "unästhetisch" finden. Ich
bitte aber um Verständnis, dass es Frau Ministerin Dr. von der Leyen als
Jugendministerin in erster Linie um den Schutz von Kindern und Jugendlichen
gehen muss. Die Erfahrung zeigt, dass die besten Jugendschutz-Gesetze nichts
nutzen, wenn sie in der Praxis ignoriert werden.

(Kommentar von mir: Diesen Textbaustein dagegen kenne ich wieder. Schön, dass man sich wieder auf das Ästhetikproblem versteift, statt auf meine anderen Argumente einzugehen.)

Sie wissen sicherlich sehr gut, dass man sich bis zur Einführung der großen,
deutlich sichtbaren Alterskennzeichnungen irgendwo im Kleingedruckten über
die Altersfreigabe informieren musste. Das war für viele eine Einladung zum
Wegschauen. Heute können Verkäufer an der Kasse genauso wie die Eltern
daheim im Kinderzimmer auf den ersten Blick erkennen, ob ein Film für Kinder
und Jugendliche eines bestimmten Alters freigegeben ist oder nicht.
"Warnschilder" wirken nur, wenn sie deutlich sichtbar sind, das gilt im
Straßenverkehr wie auf Zigarettenpackungen.

(Kommentar von mir: Ja. Das haben wir auch schon mehrfach gehört. Ich frage mich allerdings, wie Politker "Kleingedrucktes" definieren. Die alten FSK-Logos waren also kleingedruckt? Wenn dem so wäre, würde es niemanden geben, der durch kleingedrucktes auf's Ohr gehauen wird. Die Logos waren groß und bunt. Sie waren hinten, ja. Aber nur weil etwas hinten ist, ist es doch nicht gleich kleingedruckt. Kleingedruckt ist zum Beispiel bei Universal-DVDs die Laufzeit. Das ärgert mich immer wieder. Die FSK-Zeichen dagegen waren immer auf Anhieb zu sehen.

Falls ein Verantwortlicher der Petitionsseite das sieht: Ich würde vorschlagen auch Scans alter DVD-Rückseiten zu sammeln um zu beweisen, dass die Logos nicht kleingedruckt sind.

"FSK war immer kleingedruckt. Kleingedruckt. Kleingedruckt!" Applaus für das Ministerium! Es lehrt uns, wie man hervorragend argumentiert: Die Augen vor der Realität verschließen und immer wieder behaupten, alles wäre mies gewesen, bevor man es verbessert hatte.

Dass man nur mit der Textsuche nach Stichwörtern in meiner Mail suchte, um dann ein Standardformular zu schicken, sieht man hier sehr gut: Sie vergleichen in der Antwort die FSK-Kennzeichen mit den Warnhinweisen auf Zigaretten. Hatte ich nicht gütigerweise erklärt, weshalb das inkompetent ist?)

Wenn wir anfangen, Warnsignale aus ästhetischen Gründen zu verstecken,
können wir auch gleich darauf verzichten. Seit dem vergangenen Sommer kann
sich niemand mehr herausreden, er habe nicht gewusst, ob ein
gekennzeichneter Film z.B. an einen 12-Jährigen abgegeben werden kann oder
nicht.
Für alle Eltern, die ihre Kinder schützen, und Kontrollbehörden, die
verantwortungslose Verkäufer überführen wollen, ist das ist ein gewaltiger
Fortschritt.

(Kommentar von mir: Ich könnte kotzen bei dieser Ignoranz.)

Ich kann Ihnen mitteilen, dass auf Grundlage des vorliegenden Endberichts
zur Gesamtevaluierung "Analyse des Jugendmedienschutzsystems:
Jugendschutzgesetz und Jugendmedienschutz-Staatsvertrag" des
Hans-Bredow-Instituts (HBI) zurzeit Bund-Länder-Gespräche geführt werden.
Die Ergebnisse bleiben abzuwarten.

(Kommentar von mir: Fast hätte ich mir eingebildet, dass mit dem vorliegenden Endbericht, der neue Gespräche anleierte, mein Brief gemeint war. Dann bin ich aufgewacht.

- Ich bin vorher eingeschlafen, weil diese stets gleichen Textbausteine wie ein Schlafmittel wirken - )

Abschließend möchte ich mich bedanken, dass sich die Zeit genommen haben,
ihre Gedanken so ausführlich darzulegen. Ich möchte Sie daher ermuntern, die
politische Diskussion zur Weiterentwicklung familienpolitischer Maßnahmen
auch weiter kritisch zu verfolgen.

(Kommentar von mir: Ohja, das werde ich. Ich überlege mir bereits eine Rückantwort.)

Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Service-Team

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

(Kommentar von mir: Und wo bleiben wir Männer? Und wo steht in der Beschreibung, dass das Ministerium für Medien zuständig ist? Ach, das ist es nicht?)



Ihr seht: Alles ein Haufen gequirlter, vorher bereit gelegter Dreck.
Mal sehen, wann ich Zeit finde eine gepfefferte Rückantwort zu formulieren. Die können mir doch schwer zweimal den selben Blankotext zurückschicken, oder?

15 Kommentare:

milan8888 hat gesagt…

Wenn die wollen können die schon - oder die verweisen einfach auf das erste Schreiben.

Schick doch mal deinen Brief an den Spiegel.

Anonym hat gesagt…

Schön finde ich den Absatz, das das Verkaufspersonal dann auf den ertsen Blick die Einstufung erkennt. Und was ist, wenn das Preisschild auf die Rückseite geklebt wird und die DVD mit dem Back nach oben auf den Tresen gelegt wird. Echt tolle Logik. Das einzige was wirklich hilft ist verantwortungsbewusstes Verkaufspersonal.

Anonym hat gesagt…

Warum die Aufregung, sind doch herrlich ästhetisch die Dinger... sollten überall drauf!

Anonym hat gesagt…

Die ersten Absätze sind in der Tat ziemlich lächerlich, erst Rückmeldungen als hilfreich und entscheidungsfördernd einstufen, dann aber wieder darauf verweisen das man diese leider nicht zur Kenntnis nehmen kann. Mich würde hierbei interessieren wie bewertet wird auf welche (wenn überhaupt) ernsthaft eingegangen wird und welche eine automatisierte Antwort erhalten. Aber da ja selbst die FSK abgeblitzt ist kann man sich seinen Teil denken.

Übrigens sah ich kürzlich einen Beitrag in der ARD, wo man minderjährige Testkäufer FSK16 und FSK18 Spiele erwerben ließ; das klappte dort so gut wie in ähnlichen Beiträgen vergangener Jahre, auch wenn diesmal die großen Logos auf den Spielen prangten. Ich denke einen ähnlichen Zustand wird man deutschlandweit beobachten können, wenn überhaupt wird der Nutzen minimal sein. Man hätte lieber die im Brief erwähnten horrenden Strafen deutlicher publik machen sollen und mehr Kontrollen anmahnen sollen, anstatt mit den neuen Zeichen nur einen wirkungslosen Blender zu produzieren.

Anonym hat gesagt…

So, ich habe Frau von der leyen jetzt mit dem briefchen hier angeschrieben, wenn das GG nicht überzeugt, hilft gar nix.

Sehr geehrte Frau Von der Leyen,

es geht um die Etikettierung der FSK- und USK-Freigabe von DVD und Spielecovern.

Dieses Zeichen nach vorne zu drucken ist im Prinzip eine Einschränkung der Künstlerischen Freiheit, die im Artikel 5 Abs. 3 Grundgesetz geregelt ist.

Hier ist der Auszug aus dem Artikel:
(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.

Das lässt sich mit folgendem begründen, auf den DVD- und Spielecovern werden meistens Bilder von Künstlern, (Zeichnern, Fotografen etc.) abgedruckt. Dies schränkt diese Künstler in ihrer Kunst und verdeckt viele Details der aufgedruckten Kunstwerke.

Auf der Rückseite von den DVDs und Spielen werden hingegen oftmals nur Informationen über das Produkt und der Code für die Registierkasse aufgedruckt. Wäre es nicht möglich wie früher diese Ettikierung nach hinten in gleicher Größe zu drucken. Die Verkäufer müssen sowieso auf die Rückseite der DVD oder Spielepackungen wegen dem Registierungscode der Kasse sehen und damit wäre dem eigentlich Jugendschutz Genüge getan.

Dies würde Künstler und Sammler weniger stören und vorallem würde es, diesen Touch vom unästhestischen Element auf der Packung wegnehmen.

Mit freundlichen Grüßen

zibb booh booh zibb- THE Dog! BOW! hat gesagt…

doch leider...genau das können sie. und das werden sie auch, sie werden dir einfach den quark nochmal schicken. wenn du meinen rat willst, schick es an spiegel, focus oder die faz. wenn die sowas abfrucken dann FINDET ES LESER UND ANHÄNGER was denkst du wieviele dann die petition unterschreiben

oder du machst was ganz böses, richtest dich danach selbst und lässt einen abscjiedsbrif zurück in dem du die flatschencober als motiv angibst. dann wird es geändert und mavcht tagelang schlagzeilen xD

Anonym hat gesagt…

tja, ich denke eher das sich spiegel und stern dafür interessieren könnten. Aber warten wir erstmal die antwort ab. XD

Chris hat gesagt…

oh man, bei manchen Absätzen der Antwort könnte ich einfach blos kotzen... immer wieder die gleichen arroganten Textbausteine. Wenn ich meine email an die lostrete werd ich es mir darin explizit verbitten Standardantworten und vor allem den Vergleich mit den Zigarettenwarnhinweisen zu gebrauchen. Mein Hobby mit nem krebserregenden Suchtmittel zu vergleich, Vielen Dank!!

Chris hat gesagt…

achja und als Beispiele für bisherige grosse FSK-Logos schlage ich welche von Warner vor, die haben die grössten, siehe:
http://www.invelos.com/mpimages/73/7321983001116.5b.jpg
http://www.invelos.com/mpimages/73/7321925008838.5b.jpg

Und wenn dem Ministerium manche Labels die Logos zu kleinen hinten raufgemacht haben, warum wird dann nicht einfach ne Mindestgröße dafür festgelegt? Hätte doch auch gereicht, als das Ding gleich vorne draufzuklatschen? :kopfschüttel:

Green Ninja hat gesagt…

Boah ne :D

Der Teil hier:
"Sie wissen sicherlich sehr gut, dass man sich bis zur Einführung der großen,
deutlich sichtbaren Alterskennzeichnungen irgendwo im Kleingedruckten über
die Altersfreigabe informieren musste. Das war für viele eine Einladung zum
Wegschauen. Heute können Verkäufer an der Kasse genauso wie die Eltern
daheim im Kinderzimmer auf den ersten Blick erkennen, ob ein Film für Kinder
und Jugendliche eines bestimmten Alters freigegeben ist oder nicht.
"Warnschilder" wirken nur, wenn sie deutlich sichtbar sind, das gilt im
Straßenverkehr wie auf Zigarettenpackungen."

Ist EXAKT der gleiche Müll den ich alt Antowrt auf meinen DirektZu Beitrag bekommen habe. Oh mann, das muss auch noch in meinen Blog rein. Unfassbar....

Sir Donnerbold hat gesagt…

Deshalb war ich auch so sauer bei meiner Rückantwort. Wenn die mir den gleichen Müll schreiben wie dir bei DirektZu, dann können die gleich dorthin verlinken.

EagleVision1999 hat gesagt…

Warum wendest du dich nicht an die Medien?
Für die dürfte sowas doch ein gefundenes Fressen sein...
Jedenfalls der übliche Standartmist...Das macht die Bande schon unglaubwürdig(-er als sie bisher schon waren).

Ein anderer Sammler.. hat gesagt…

Finde es klasse,was sich Leute hier für einen Aufwand machen.Besonderst natürlich du "Sir Donnerbold".Das gleiche Standartantwort vergeben werden ist sehr ärgerlich..kann nur weiterhin hoffen,dass Leute wie ihr weiter macht und nicht die Motivation verliert!
Respekt von einem anderen Sammler;]

Green Ninja hat gesagt…

Ich hätte da weiterhin Zeit investiert, aber die Debatte um "brutale" Videospiele bzw. ein Verbot solcher zwang mich dazu meinen Fokus zu verschieben.

Anonym hat gesagt…

Hallo. Nach nun über zwei Jahren neuer Logos sind etliche DVD Produzenten glücklicher Weise mit einem Mehraufwand bereit Wendecover zu bieten.
Das ist erfreulich aber nur für "normale" Hüllen der DVDs und Blu-rays. Sonderverpackungen wie Metallbox, Papphüllen von meist Serienboxen oder ganz andere Materialien sind fast immer permanet mit den FSK logos bedruckt. Eigenartiger Weise gibt es soagr jetzt noch neue Boxen/Hüllen die einen Papp-Schuber haben der keine Kennzeichnung vorn auf der Verpackungsseite enthält. Ob dann die standardverpackung darunter das Logo enthält kann ich nicht sagen. Unlogisch wäre es, denn wenn man es zu haus auspackt und die Altersfreigabe erscheint ist das eh hinfällig.

Als Grafiker bin ich eindeutig dafür noch einmal neue Impulse gegen die Logos auf den Fronten loszutreten. Größe kann meinetwegen bleiben aber auf die Rückseite wechseln!

PS: Warum werden eigentlich nicht auch Kinoplakate mit dem hässlichen Scheiß bedruckt?

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