Donnerstag, 19. März 2009

Offener FSK-Brief II: Eine zugegebenermaßen hocherzürnte Rückantwort an das Familienministerium

Leider Gottes benötigte Hugh Jackman die Genehmigung Marvels, um als Wolverine auftreten zu dürfen und der Tonnenursel einen gehörigen Schrecken einzujagen. Naja, vielleicht reichen schon grausame Offene Briefe um etwas zu bewegen?


Liebe Videofreunde,

ich nahm mir die Zeit mich erneut mit dem leidigen Thema der FSK-Kennzeichen zu beschäftigen.
Für alle, die neu dazugekommen sind: Aufgrund der Neuregelung des Jugendschutzes müssen audiovisuelle Bildträger ab April nächsten Jahres mit riesigen FSK-Frontkennzeichen ausgestattet werden. Bereits jetzt besudeln viele Studios ihre DVDs mit diesen neuen Logos.

Diese Teile sind nicht nur verflucht hässlich, sondern stellen zudem eine etwaige Bedrohung der Medienrezeption dar, da sie unterbewusst Filme mit Suchtmitteln wie Zigaretten gleichsetzen. Natürlich wird ab April niemand losschreien, dass Filme den selben Regelungen unterwerfen werden müssen wie Tabak, doch es ist meines Erachten nachs unvermeidlich, dass ein Keil zwischen medienkompetenten Personen und "Gelegenheitskonsumenten" getrieben wird. Etwas, das die Politik nicht zulassen dürfte, zumal die Jugendschutzwirkung der neuen FSK-Logos stark zu bezweifeln ist.

Im Februar verfasste ich diesen "Offenen Brief" gegen die FSK-Kennzeichen, der mittlerweile auf der Webseite einer (dringend zu unterzeichnenden!) Onlinepetition unter "Aktionen" vorzufinden ist.

Wie der Zufall es so wollte, beschwerte ich mich am 11. März, noch keine Antwort vom Familienministerium erhalten zu haben, und zack, zwei Tage später traf eine desolate Standardantwort bei mir ein.

Wer mich kennt weiß, dass mich so etwas nur zur Weißglut bringt, und deshalb brütete ich in den vergangenen Tagen über eine Rückantwort nach.
Zwar gab ich mir Mühe sachlich zu bleiben, aber ich wurde dennoch um einiges rasender und offensiver, als noch in meinem Offenen Brief.
Gerade eben schickte ich per Mail meine Rückantwort ans Serviceteam des Bundesministeriums. Ihr könnt sie unten nachlesen, ihr müsst einfach auf More klicken. Sollte dieses Feature bocken, meldet euch bitte in den Comments, ich gebe mein bestes den technischen Fehler zu beheben.

Wenn ich demnächst spurlos aus der Internetwelt verschwinde, dann wurde ich wahrscheinlich wegen Beamtenbeleidigung inhaftiert, oder der Bundestagstrojaner fackelte meinen PC von innen ab.

Drückt mir die Daumen, dass nichts dergleichen passiert, und dass vielleicht ein paar harschere Worte die Leyenministerin wachrütteln:

Sehr geehrtes Service-Team des Bundesministeriums für Familie,
Senioren, Frauen und Jugend,

vielen Dank für die Rückmeldung auf mein Anliegen bezüglich der Neuregelung des Jugendschutzgesetzes, genauer gesagt der vorgeschriebenen Reform der FSK-Kennzeichnung.

Ich hoffe, dass Sie mein erneutes Anschreiben bezüglich dieses Themas nicht gleich ignorieren oder als hartnäckiges Belagern der wertvollen Zeit unserer Volksvertreter betrachten, jedoch habe ich einige dringende Kritikpunkte an Ihrem Rückschreiben.

Zunächst: Ich erachte es als Dreistigkeit, für wie naiv der mündige Bürger betrachtet wird. In Zeiten der Massenkommunikation sind sich selbst Durchschnittsbürger durchaus dessen bewusst, dass es so etwas wie "Textbausteine" gibt, die bei gehäuften Anliegen sozusagen vorgefertigt werden und für neu eingegangene E-Mails nur erneut aneinandergereiht werden.
Ich habe völliges Verständnis dafür, dass ich nicht erwarten kann, dass etwa Frau von der Leyen persönlich meine E-Mail in ihrer Freizeit beantwortet (sie verfasst ja nichtmal selbst "ihre" Antworten auf dem Portal "direkt zu", was ich übrigens als gezielte Irreführung werte). Und im Wahljahr ist es auch verständlich, dass selbst das Service-Team nicht ausreichend Zeit zur Verfügung hat jede Mail persönlich abzuhandeln. Deshalb hätte ich auch Einsehen, wenn mit einer Entschuldigung, dass eine ausführlichere Bearbeitung derzeit nicht möglich ist, darauf hingewiesen wird, dass meine Anliegen bereits mehrmals mit exakt den gleichen Argumenten behandelt wurden und Sie mir Links schicken, wo ich Ihre Antworten nachlesen kann.
Dafür hätte ich tatsächlich Verständnis, da man mit mir ehrlich umginge.

Die Dreistigkeit jedoch, mir Textbausteine vorzusetzen und diese als neue, für mich persönlich verfasste Antwort zu verkaufen, in der man sich auch noch dafür bedankt, dass ich mir die Zeit nahm eine ausführliche Argumentation einzuschicken, grenzt jedoch an Hohn. Denken Sie wirklich, ich würde die Antwort als ausreichend erachten und darauf reinfallen, dass es keine Textbausteine wären?

Wenn ich schon eine vorgefertigte Antwort erhalte, dann möchte ich auch, dass man mich als mündigen Bürger betrachtet und mir zutraut mit der Entschuldigung umzugehen.

Um nun jedoch auf mein eigentliches Angehen sprechen zu kommen:

In Ihrer (zuvor bereits mehrfach im Internet veröffentlichten) Antwort zeigt sich, dass meine Mail wahrscheinlich nichtmal gelesen, sondern bloß automatisch nach Stichwörtern durchsucht wurde. Sie verteidigen nämlich die Neuregelung mit einem Vergleich zwischen FSK-Kennzeichen und den Gesundheitshinweisen auf Zigarettenschachteln. Hätte allerdings irgendjemand meine Erläuterung durchgelesen, wäre dieser Person sicherlich bewusst geworden, dass dieses Argument bei mir nicht zieht, weil ich ausführlich darauf einging, weshalb dieser Vergleich von Medieninkompetenz zeugt. Hier wäre also entweder Ehrlichkeit angebracht gewesen, indem man mir sagt, dass das Ministerium eine vorgefertigte, meiner Ansichtsweise gegensätzlich eingestellte, Meinung hat und diese auch verteidigt. Oder aber man versucht mich davon zu überzeugen, weshalb beide Kennzeichnungen sehr wohl vergleichbar sind.
Das auf gut Glück geratene Suchen von häufig verwendeten Stichwörtern in meiner Mail und das daraufhin routinierte einsetzen von Fertigantworten dagegen gleicht infantilen Kausalzusammenhängen. Ich erkläre, weshalb etwas meiner Meinung nach falsch ist, und erhalte als Antwort, dass ich bedenken muss, "dass das nunmal so ist".

Eine noch größere Schande ist das ständige Leiern darüber, dass das äußere Erscheinungsbild von Titelbildern audiovisueller Datenträgern nicht wichtiger sei als der Jugendschutz.

(Bitte verzeihen Sie an dieser Stelle die sperrige Wortwahl, ich versuche mich in meiner Formulierung vor Ihren Stichwort-Suchmaschinen zu verstecken, in der Hoffnung so zu erzwingen, dass ein Mensch mein Schreiben durchlesen muss, weil das automatisierte Antwortverfahren scheitert.)

Ich gab diesem Standpunkt in meinem Schreiben lang und breit Recht - und wies deshalb darauf hin, dass die Neuregelung leider den gegenteiligen Effekt hat und der Jugend sowie der generellen Medienrezeption in Deutschland schaden könnte.

Selbstverständlich verstehe ich die grundlegende Idee hinter Ihrer Haltung: "Lieber etwas versucht, das nur wenig hilft, als gar nichts versucht." Jedoch ist die FSK-Neuregelung, um eine in meiner Region gebräuchliche Alltagsmetapher zu verwenden, nicht das Antibiotikum, als welche sie vom Bundesministerium bezeichnet wird.
Sie ist nichtmal vergleichbar mit dem Trinken von Hühnerbrühe bei einer Erkältung ("schadet nicht, und vielleicht bringt's auch was"). Sie gleicht eher dem Rauchen von Mentholzigaretten bei Lungenkrebs.

Weshalb ich diesen Vergleich ziehe, können sie gerne in meiner letzten E-Mail nachlesen. In dieser Mail werde ich mich nämlich nicht selber zitieren, dies würde mein Schreiben nur unnötig in die Länge ziehen. Sollte wirklich ein interessierter Mensch diese Mail lesen, so schicke ich (nachdem mir bewiesen wurde, dass die Anliegen der Bürger nicht bloß mittels automatisierter Prozesse behandelt werden) meine vergangene Mail nochmal an Sie.

Ein letzter, wichtiger Punkt in dieser Diskussion betrifft den Einzelhandel: In Ihrem Antwortschreiben verteidigen Sie die Neukennzeichnung damit, dass sie vom Verkaufspersonal nicht übersehen werden kann.
Somit ignorieren Sie völlig die von mir angebrachten, in fast allen Supermarkt- und Elektronikhandelketten Deutschlands standardisierten Kassensperren. Völlig unabhängig von der Größe des FSK-Logos wird der Verkaufsvorgang durch eine elektronische Verriegelung unterbrochen. Das Verkaufspersonal könnte die ganze Zeit seinen Blick von der Ware abwenden, es wird dennoch über die Jugendfreigabe des Produktes informiert und wird zur Kontrolle gezwungen.

Inwiefern benötigte man, wären solche Kassensperren gesetzlich vorgeschrieben, IM VERKAUF noch die FSK-Logos? Gar nicht. Sie sind nur für den Kunden gedacht, der alleine oder mit seinen Kindern am Verkaufsregal steht und für den Gebrauch zu Hause von Nöten. Nicht jedoch für das Verkaufspersonal, welches ja die elektronischen Sperren zur Information hat.

Und Kunden, die sich für die Freigaben interessieren, müssen sie nicht suchen. Jeder, der einen Film kauft dreht die Verpackung um, um mehr über Inhalt, Produktionsjahr und Darstellerangaben zu erfahren. Entgegen Ihrer weltfremden Behauptung befindet sich die FSK-Freigabe jedoch nicht im Kleingedruckten, sondern ist mit ausreichender Größe und farbig unterlegt sofort aufzufinden. Dies bestätigte die FSK in einer (von mir im vorangegangenen Schreiben zitierten) Studie und ist zudem für jeden Menschen mit normalen Sehverhältnissen ganz klar einzusehen.

Sollten Sie weiterhin auf Ihrer Meinung bestehen, dass die alten Kennzeichen kleingedruckt seien, so erbitte ich mir von Ihnen eine hochoffizielle Definition des Wortes "kleingedruckt". Anscheinend bedeutet es nämlich etwas völlig anderes, als ich mein bisheriges Leben lang vermutete. Denn die Jugendfreigaben sind WESENTLICH größer gedruckt als Laufzeitangaben, Darstellernamen oder Produktionsjahr und dazu noch farblich unterlegt, in seit Jahren konsequent verwendeten Farbschlüsseln. Den meisten Menschen genügt bereits ein Blick auf die FARBGEBEBUNG des Logos, um die Altersangabe zu identifizieren.

Wenn DAS als kleingedruckt durchgeht, dann frage ich mich, wie Sie WIRKLICHES kleingedrucktes nennen.


Sie selbst haben mich in Ihrer Standardantwort dazu ermutigt weiterhin das politische Geschehen zu verfolgen und aktiv zu werden, wenn ich es für nötig erachte.

Beweisen Sie mir, einem durchschnittlichen deutschen Bundesbürger, dass Sie keine hohlen Phrasen dreschen, und Ihr Wort auch ernst meinen, indem Sie dieses Schreiben ernsthaft behandeln und nicht einfach durchwinken, weil ich Ihnen bereits vor kurzem schrieb.

Mit freundlichen Grüßen,

[Sir Donnerbold]

10 Kommentare:

Konrad hat gesagt…

Öhm...Wow. Harte Worte.
Aber erstmal ein hallo von mir "Sir Donnerbold" sofern das Ihr richtiger Name ist.
Ich scherze, ich scherze.
Nochmal von vorne. Da ich grade zu faul bin nach anderen Kontakmöglichkeiten zu suchen wende ich mich einfach direkt hier an dich.
Wo fang ich an, ach ja, genau, mit mir.
Vielleicht hast du ja schonmal von mir gehört, ich bin derjenige der im DirektZu Portal der werten Frau von der Leyen im Januar die Beiträge zur Zensur und den neuen FSK Logos vefasst hab.
Wollte dir nur sagen, falls du noch irgendwas anderes machst als deiner Wut in diesem Blog Luft zu machen (wie zum Beispiel wütende Briefe schreiben ;) ), dann hast du dabei meine volle Unterstützung.

Ich meld mich später nochmal, sobald ich meinen Blog geöffnet hab.

Sir Donnerbold hat gesagt…

Hallo.
Natürlich habe ich schon von dir gehört (bzw. gelesen *g*), dein Schreiben bei DirektZu war ja im Januar noch ein Hoffnungsschimmer für uns Filmsammler, und die ernüchternde Standardantwort war Initialzündung dafür, es selber nochmal zu versuchen.

Außer im Blog versuche ich mich halt mit Mails bei diesem Thema. Dieses Mal wütend, der letzte Brief war ja sehr sachlich-argumentativ. Viel mehr kann man ja leider nicht machen. Okay, Petitionen unterschreiben (erledigt). Mit Leserbriefen für Magazine (wie mir hier mehrmals vorgeschlagen wurde) hadere ich noch ein wenig, da ich denke dort einen etwas anderen Ansatz zu brauchen. Da warte ich noch auf a) eine gute Idee oder b) dass mir jemand erfolgreich zuvor kommt. *g*

Vielen Dank für deinen Kommentar und willkommen. ;-)

Kevin Kyburz hat gesagt…

Sehr geehrter Herr S******g,

vielen Dank für Ihr Schreiben. Ihre Kritikpunkte wurden an die entsprechende Stelle weitergeleitet.

Mit freundlichen Grüßen,

...

Man sollte als Rache eine Art "Standardbeschwerdeformular" entwerfen, das man denen dann aus tausenden Mailadressen zuschickt ;D Am besten die gesamten Parteioberen damit zumüllen :D

Green Ninja hat gesagt…

So, hier mal so ca. das 1. drittel von meinen Ausführungen zum Thema...
http://greenninja87.blogspot.com/

Chris hat gesagt…

Hallo zusammen,

ich bin der Chris aus vorrangegangenen Kommentaren zu Deinen FSK-Logo-Einträgen.
Ich finds klasse, dass Du Sir und auch wir alle an dem Thema dran bleiben. In der Hoffnung viele andere Leute würde das ebenso tun, hab ich auch paar Aktionen unterstützt und emails geschrieben.

Begonnen mit dem Unterstützen von Konrads Fragen bei direktzu, über das Unterschreiben der Petitionen bis zur email an das Familienministerium (bisher ohne Antwort, hatte dann doch meinen schon fertigen Text verwendet obwohl ich Dich Sir gefragt hatte ob man Deinen offenen Brief als Vorlage verwenden darf, den wollte ich mir als schwereres Geschütz für später aufheben ^^). Achja und 24 DVD-Hersteller hab ich auch noch angeschrieben wie sie mit den Logos umzugehen gedenken bzw. ob sie Wendecover einsetzen wollen etc.

Es ist wirklich eine Unverschämtheit mit diesen Textbausteinantworten, da hat Sir, der sich soviel Mühe beim Formulieren und Argumentieren gemacht hat, gutes Recht sich drüber aufzuregen.

Zum Thema Petition: Mittlerweile wurde auch eine offizielle Online-Petition beim Petitionsausschuss des Bundestages erstellt. Leider fordert der Petent nicht, dass die neuen Logos wieder ganz von der Vorderseite verschwinden, sondern nur eine Verkleinerung und wahlweise Positionierung, aber ein Anfang wärs mal an öffentlicher Stelle seine Stimme abzugeben.

Naja, lests euch mal durch und wer will kann die Petition mitzeichnen:

https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=2863

Chris hat gesagt…

Test... wussste gar nicht dass ich ein Google-Profil habe...

Green Ninja hat gesagt…

Sodele, also zuerst mal, alle dies nicht mitbekommen haben. Green Ninja = Konrad. Ich benutze nur gerne Nicknames wenn ich im Internet unterwegs bin. Hab mal meine bisherigen Bemühungen zu der Sache aufgelistet:
http://greenninja87.blogspot.com/

Marco Arndt hat gesagt…

Hmm, harte Worte Sir Donnerbold, wenn auch berechtigt.

Jedoch zweifel ich, dass dein Brief für voll genommen wird. Auch wenn deine harschen Worte durchaus verständlich sind, werden sie es jetzt als spinnerei abtun und eventuell einfach löschen oder nur wieder Textbausteine zusammen setzten um dich zufriedenzustellen.

Nicht falsch verstehen, was du machst finde ich klasse und ich finde es toll, dass du es dir nicht einfach gefallen lässt. Ich bin aber ziemlich pessimistisch eingestellt und bezweifel stark, dass es da zu einer Antwort kommt wie du sie dir wünschst, hoffe aber das Beste

Green Ninja hat gesagt…

Da Ich immer noch keine Möglichkeiten habe Dich direkt zu erreichen:
Kuck dir mal die Beiträge hier an:
http://www.direktzu.de/vonderleyen/messages/19896
http://www.direktzu.de/vonderleyen/messages/20122

Anonym hat gesagt…

Du erinnerst Du dich, dass ich daneulich einen Brief in den Kasten reingestellt habe? Die Antwort sah von Frau von der Leyens Referanderin ähnlich aus.

Das ist eine Frechheit, hoch zehn!!!!

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