Hatte da etwa jemand während des Streiks die Gelegenheit, sich alte Folgen der eigenen Serie durchzulesen?Die vierte Staffel von Desperate Housewives begann wie jede andere: Unsere Hauptcharaktere Bree, Susan, Lynette und Susan (und zu gewissem Grade auch Edie) haben unterschiedlichste Probleme, die in den einzelnen Folgen behandelt werden, und der mysteriöse Kern der Staffel, der alles zusammen hält ist das dunkle Geheimnis eines neuen Nachbarn, dieses Mal Katherine Mayfair.
So lief Desperate Housewives in der vierten Staffel nach dem gewohnten Schema ab, wenn auch mit einem interessanter wirkenden zentralem Geheimnis als noch in den zwei Staffeln zuvor und einer herrlichen Spielfreude bei den männlichen Charakteren.
Doch dann kam der Sturm. Und der Autorenstreik.
In der Zeit nach der Zwangspause trat das große Geheimnis um Katherine Mayfair einen Schritt zurück, lenkte den Fokus weniger auf sich. Dafür wurde zum Beispiel plötzlich wieder Orsons in der zweiten Staffel ausgeübter Mordversuch an Mike thematisiert. Dieses Thema erreichtenun bereits seinen Höhepunkt, und schon wird eine in Staffel Drei eingeführte Problematik wieder aufgegriffen.
In der dritten Staffel erhielt die Familie Scavo ein neues Mitglied: Kayla, das Ergebnis eines One-Night-Stands Toms aus der Zeit bevor er mit Lynette zusammen war. Kaylas Mutter wurde in einer der wohl besten Episoden der gesamten Serie (3x07: Peng) aus dem Weg geräumt, und Kayla von den Scavos adoptiert. Kayla war Lynette gegenüber jedoch alles andere als zugeneigt und zeigte sich ihr gegenüber von ihrer biestigen Seite.
Zeitsprung in die vierte Staffel. Lynette erfährt, das Kayla der Kopf hinter dem Brandanschlag auf Ricks Restaurant ist und mit einigen diabolischen Streichen für Chaos in der Familie sorgt. Anscheinend legte sich ihr Hass auf Lynette doch nicht, obwohl man es aufgrund der langen Zeitspanne ohne größere Vorkommnisse vermuten mag.
Erneut stellt sich die Frage, was besser wäre: Dass die Autoren lose Fäden verschwinden lassen, weil ein Wiederanknüpfen nicht so ganz in die derzeitigen Entwicklungen der Serie hineinpasst, oder für inhaltliche Kontinuität sorgen und so den Stil etwas auf den Kopf stellen.
Wie bei Orson entschieden sich die Autoren dafür, die Kontinuität zwar spät zu reparieren, dafür aber mit Feingefühl für die "neue" Inkarnation dieser Figur zu überraschen. Dass Kayla erst nach all den anderen Ereignissen in der Scavo-Familie zu des Teufels Brut mutiert, müssen mir die Autoren dagegen erst noch schmackhaft machen. Da die nachgeschobene Auflösung alter Themen schon bei Orson funktionierte, habe ich jedoch Vertrauen, dass in der nächsten oder übernächsten Episode "die Kayla-Sache" einen runden Abschluss findet.
Orsons Geschichte geht während dessen einen altbekannten Weg: Wieder einmal nistet sich ein abgelegter Ehemann bei Edie ein. Das ist mittlerweile schon ein Running Gag, gewinnt durch Orsons Einzigartigkeit aber stärker an Witz, als zuvor gedacht.
Das eigentliche Staffel-Geheimnis dagegen dümpelt weiter vor sich hin. Katherine ist ein super Charakter und Dana Delaney interagiert hervorragend mit ihren Schauspielpartnerinnen, weshalb es umso enttäuschender ist, dass sie vorerst an das große Mysterium gekettet ist. Die ganze Geschichte nahm nach der Zwangspause eine völlig andere, unspektakulärere Wende als vorher angedeutet wurde, und es macht nicht den Anschein, als würde sich noch etwas ändern.
Die anderen neuen Nachbarn aus dieser Staffel, das Homo-Paar Bob und Lee, darf derweil ebenfalls wieder in die Kamera winken. Ich mag die zwei Charaktere, da sie sehr frischen und kurzen, knackigen Humor aufweisen. Nur haben sie sich einen denkbar schlechten Zeitpunkt ausgesucht, um in die Wisteria Lane zu ziehen. Susan ist schwanger, Gaby muss sich mit ihrem blinden Ehemann rumschlagen, Lynette hatte erst mit dem Krebs und nun mit einem miesen Adoptivkind zu tun und Bree täuschte erst eine Schwangerschaft vor, um daraufhin ihren Mann aus dem Haus zu werfen. Wenn man dann nicht eine dreckige Vergangenheit zu bewältigen hat, so wie Katherine, kann man eine regelmäßige Screentime völlig abschreiben.
Dieses Mal dürfen/sollen Lee und Bob Gaby dabei helfen, ihre neue Untermieterin als Hure zu enttarnen. Die Szenen sind nur sehr kurz, aber zum brüllen komisch und machen hungrig nach mehr von den beiden.
Susan begegnet unterdessen in einem Schwangerschaftskurs ihrem Ex-Mann, was sie erneut für eine Woche aus ihrem Slapstickhumor befreit und willkommenderweise die Dosis an Sprachwitz erhöht. Und damit diese Woche auch wirklich keine angefangene Geschichte unangetastet bleibt, macht sich Mrs. McClusky wieder auf die Suche nach der Katze ihrer beim Tornado verstorbenen Freundin.
Unter'm Strich ist Willkommen eine weitere sehr gute Housewives-Episode, womit der Qualitätsschub in der vierten Staffel ungestört weitergeht. Einzig der Mayfair-Plot trübt den Gesamteindruck, und ungeduldige, kritische Gemüter mögen vielleicht schon jetzt die ausgegrabene Kayla-Problematik aufgesetzt finden.
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