Samstag, 18. Oktober 2008

Desperate Housewives 4x10: Nach der Katastrophe

Rund ein halbes Jahr ist es mittlerweile her, dass die neusten Ereignisse aus der Wisteria Lane über die deutschen Bildschirmen flimmerten.
Als wir das letzte Mal die nach außen hin perfekte Vorstadtidylle verließen, mussten wir mit ansehen, wie ein gewaltiger Tornado die Straße in Schutt, Asche und Trümmer legte, während sich die Probleme der Figuren weiter zuspitzten oder gänzlich neue Wendungen nahmen. Vor allem aber stellte sich die Frage nach dem Heil der Familie Scavo, die mit Ausnahme von Lynette komplett unter einem gänzlich zerstörten Haus begraben wurde.

Mit der zehnten Episode aus der vierten Staffel kehren die Desperate Housewives zurück ins Fernsehen und schließen inhaltlich direkt und unvermittelt an der spannenden Tornado-Episode an.
Verständlicherweise ist es Lynettes Storyfaden, auf den ich als Zuschauer am meisten gespannt war, wollte ich doch erfahren, was mit Tom und den Kindern passiert ist. Erfreulicherweise meisterten die Autoren (und vor allem die in dieser Staffel zu außerordentlichen Leistungen aufglühende Felicity Huffman) die große Fallhöhe und können die hohen Erwartungen erfüllen. Wie aufgedeckt wird, was den Scavos während des Tornados widerfuhr, ist rührend und führt zugleich zu so manchen makaberen und extrem witzigen Pointen. Außerdem ist erfreulich, dass die brüllend komische, mürrische Mrs. McClusky noch näher mit Lynette zusammenwächst, von ihr würde ich in den kommenden Episoden gerne noch mehr sehen.

Auch der Faden um Gabrielle, die in der letzten Episode sämtliche Hoffnungen auf ein gut gepolstertes Bankkonto aufgeben musste, und den nun im Krankenhaus liegenden Carlos überzeugt. Carlos beim Tornado zugezogene Verletzung und die anstehende Bedrohung der für beide ungewohnte Armut gibt der Beziehung dieses Paars neue Dramatik, während sich Gabrielle in dieser Folge zugleich wieder von einem Fettnäpfchen und einer herrlich-bösartigen Oberflächlichkeit in die nächste manövriert.
Von Bree gibt es gewohnt hohen Durchschnitt zu sehen. Da ihr Dach kaputt ist, zieht sie bei Susan ein, wo sie sogleich alles auf den Kopf stellt und zwanghaft säubert. Und ihre Versuche, auf schnellem Wege an einen Dachdecker zu kommen sind so durchtrieben, wie man es von dieser Figur auch erwartet. Highlight dieses Handlungsbogens ist ein absolut delikater Fremdschähm-Moment mit Orson, der in dieser Staffel bereits zahlreiche Sympathiepunkte bei mir gutmachte und erneut sein inneres Kind rauslässt, indem er einen grauenhaft peinlichen Spruch mit vollster Überzeugung hinausposaunt (Man achte in dieser Episode auf das Stichwort "Schwul").

Susans Geschichte in der neuen Folge ist unterhaltsam, mehr aber nicht. Wirklich enttäuschend ist aber, was uns die Autoren bei der neuen nachbarin Katherine zumuten. Schlimmer als in den hinterhältigsten Lost-Episoden schlendert sich die Handlung um ihren eigenen Kern herum und am Ende bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig als auf die nächste Episode zu warten.

Stimmungstechnisch bringt uns die Episode Nach der Katastrophe zurück zur Normalität, während die losen Fäden aus der zuvor gezeigten Eventepisode aufgesammelt und teils beendet werden. Dass so schnell wieder der (atmosphärische) Alltag in die Wisteria Lane einkehrt, während das beeindruckend detailliert zerstörte Bühnenbild an die Schrecken der vorherigen Folge erinnern, ist jedoch etwas enttäuschend.

Das größte Problem für Nach der Katastrophe ist aber die Platzierung dieser Folge: Durch den Autorenstreik bedingt musste Desperate Housewives eine längere Sendepause machen, weshalb man sich entschied das "Katastrophen-Special" (von dem Cherry ehrlich sagt, dass er die Idee dazu hatte, weil man mit solchen Tragödien Zuschauer anlockt) als semi-offizielles Finale zu zeigen, und den Rest der Staffel später nachzuschieben. Lange hielt man nicht an diesem Plan fest, und so wurde die bereits produzierte zehnte Episode lange vor dem Neubeginn der Staffel ausgestrahlt. Für eine Cliffhanger-Folge ist diese aber viel zu schwach, gerade im Vergleich zur vorherigen.

Aber auch in Deutschland ist Nach der Katastrophe unglücklich platziert. Nach einer sechsmonatigen, mit großer Anspannung gefüllten, Pause ist diese Episode zu lasch. Es fehlt ein Paukenschlag, mit dem Desperate Housewives zurückkehrt.
Denn dafür war diese Folge nicht gedacht. Ohne Streik wäre sie eigentlich eine ganz normale Episode mitten in einer Staffel.

Wenn man dies bedenkt, ist sie aber sehr zufriedenstellend.

Neue Folgen von Desperate Housewives gibt es ab Mittwoch wöchentlich um 20.15 Uhr auf ProSieben.

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