
Wer jährlich die Zahlen der FFA verfolgt, weiß, dass die Kinobranche in Deutschland in den vergangenen Jahren immer mehr Besucher abgeben musste. Die Leute gehen seltener ins Kino, und das aus unterschiedlichen Gründen.
Die Diskussionen darüber sind stetig, verschiedene Versuche die Leute wieder in die Kinos zu locken wurden unternommen.
Mitglieder der Kinobranche besprechen die Rettung der Kinokultur in Deutschland - seien es die Filmverleiher oder die Kinobesitzer.
An dieser Stelle möchte ich einfach die Meinung eines simplen Kinogängers präsentieren. Denn auch der Kinogänger selbst kann zu diesem Thema etwas wertvolles beitragen. Deshalb sind auch eure Kommentare gefragt.
Aber nun zu meinen Ratschlägen, Kommentaren und Meinungen zur Frage, wie man den Kinobesuch wieder reizvoller gestalten kann:
- Weniger Produkt- und Lokalwerbung vor den Filmen

Natürlich sind Werbespots eine gute Einnahmequelle. Jedoch sind sie auch ein besonders großes Ärgernis für den Kinobesucher.
Sogar ich als regelmäßiger und passionierter Kinogänger drehe nach zwei oder drei Werbespots, die zusätzlich zum unverzichtbaren Langensespot kommen, durch und schreie innerlich nach dem Film. Ganz anders, wenn Trailer laufen, da kann ich wesentlich länger zusehen.
Doch damit bin ich nicht alleine: Hört beim nächsten Kinobesuch einfach Mal in die Menge rein. Produkt- und Lokalwerbung wird viel lauter abweisend entgegengenommen.
Vor allem die billige, mies geschnittene und gesprochene Werbung für das Restaurant nebenan. Hier ist weniger mehr.
Die Leute gehen ins Kino, um Filme zu sehen. Produktwerbung bekommen sie auch zu Hause. Ersetzt die Werbespots besser durch ein paar zusätzliche Trailer. Denn wenn ihr schon Leute im Kino sitzen habt, die sich nicht alles im Internet saugen, dann muss man das ausnutzen und sie auf weitere Filme hinweisen. Aber macht das bloß nicht, indem ihr auf eine lange Werberolle noch weitere Trailer draufklatscht: Irgendwann ist die Geduld weg und spätestens nach 20 Minuten "Vorprogramm" wird das Publikum laut. Deshalb lieber Werbung durch Trailer ersetzen.
Eine Idee für die Filmverleiher wäre außerdem, verstärkt auf kinoexklusives Material zurückzugreifen. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich das Internet sehr selten nutzte und sich weder Videoportale wie Youtube durchgesetzt hatten, noch größere Kinoseiten große Trailerarchive hatten. Damals gab es viel mehr tolle Trailer, die ich erstmals im Kino sah. Diese Trailer wirkten dort, wo sie hingehören, viel stärker auf mich. Nun kenne ich fast alles schon aus dem Internet. Klöppelt doch Mal was extra für's Kino zusammen, und damit meine ich nicht nur "Handy aus"-Spots. Die aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung sind.
- Mehr Sondervorstellungen
In den vergangenen Jahren konnte man bemerken, dass immer mehr Double- und Triple-Features angesetzt wurden. Und dieser Trend ist definitiv zu unterstützen. Ich habe bislang noch nie ein Double- oder Triple-Feature erlebt, das nicht gut gefüllt war, und bei Matrix und Pirates of the Caribbean waren die bundesweiten Sondervorstellungen so gut besucht, dass die Vorgängerfilme wieder in die Kino-Top-Ten stiegen. Ja, richtig gelesen: Sondervorstellungen, die in ganz Deutschland nur an einem einzigen Abend stattfanden (mit Ausnahme von wenigen Städten, in denen sie mehrmals liefen) genügten, um alten Filmen mehr Besucher zu bescheren, als neuen Filmen die die gesamte Woche über im Kino zu sehen waren.
Der Erfolg von Doubles und Triples ist schnell erklärt: Es sind besondere Kinoereignisse, in die man mit mehreren Freunden geht und sich gewiss ist, dass im Kino keiner stört. Wer zahlt schon Geld für mindestens vier Stunden Kino, um dann die ganze Zeit zu quatschen?Nicht zu vergessen, dass sich Triple- und Double-Festure-Zuschauer sicher sind, wenigstens etwas Gefallen an den Filmen zu finden.
Deshalb sollten die Kinobesitzer (mit Unterstützung der Verleiher) die Beliebtheit von Sondervorstellungen ausnutzen. Es ist eine Schande, dass Paramount die alten Jones-Filme nicht für eine erneute Kinoverwertung rausrücken möchte (wahrscheinlich um den Verkauf der DVD-Boxen anzukurbeln).
Und wieso sollte man dabei stoppen, so etwas für Neustarts von Fortsetzungen zu machen? Neulich lief in einem Kino meiner Nähe eine "Herr der Ringe"-Nacht, die völlig losgelöst von jeglichem Neustart war.
Den kommenden Start des nächsten Bonds könnte man doch mit einer "007"-Woche (jeden Tag zwei der besten Bond-Filme) begleiten, die im großen Double-Feature "Casino Royale / Quantum of Solace" ihren Abschluss findet.
Vor den Oscars könnte man doch einige nominierte Filme zusammen laufen lassen.
Gerne auch mit ansprechendem Rahmenprogramm.
Hier lässt sich soviel neuer Grund erarbeiten!
- Zeigt regelmäßig ältere Filme!
Dieser Punkt ist im Grunde genommen eine weitergesponnene Variante des Wunsches nach Sondervorstellungen. Das Verlangen, alte Kinofilme nicht nur auf DVD, sondern auch im Kino zu sehen, wird nämlich leider völlig unterschätzt.
So holte 2000 die Wiederaufführung des Dschungelbuchs über eine Millionen Zuschauer in die Kinosäle. Für einen über 30 Jahre alten Film, der bereits auf einer enorm gut verkauften Videokassette erhältlich ist und eh in keiner Familie fehlt eine außerordentliche Leistung. Das sind ungefähr so viele Zuschauer wie der Oscar-nominierte "Könige der Wellen" hatte, doppelt so viele wie bei "Tierisch wild!" und rund das vierfache der Besucherzahlen von "Triff die Robinsons"!
In Köln existiert seit vielen Jahren erfolgreich das "Rex am Ring" (aka "One Dollar House") in dem Filme laufen die zwischen drei Monaten und dreißig Jahren alt sind - oder noch älter. Das Programm besteht dabei aus Kultklassikern, Meilensteinen der Filmgeschichte, Blockbustern der letzten Monate und Insidertipps für die Cineasten unter uns. Hier wird jeder bedient.
Es würde schon reichen, wenn man an es fest an zwei Tagen in der Woche mit einer Klassiker-Vorstellung versuchen würde. Einmal während der Werktage, um mit Kultfilmen wie "Reservoir Dogs" oder "Die Reifeprüfung" die gealterten Cineasten und Studenten anzusprechen. Die haben keine Skrupel mitten in der Woche in alte Filme zu gehen. Und am Wochenende wird eine Vorstellung in einem kleineren Saal, den das Kino gerade opfern kann, mit alten Erfolgen nach der breiten Masse gefischt. Denn so gut der Fernseher auch sein mag, im Kino wirken gigantische Filme wie "Armageddon", "Jurassic Park", "Terminator 2" und "Ben Hur"einfach viel besser.
Ins Kino gehen viele Leute doch nur noch, wenn sie ein Film erwartet, von dem sie wissen, dass er dort besser rüberkommt. Für solche Leute wären solche Klassikerreihen ideal. Und all diejenigen, die schon Filmliebhaber sind lockt man damit, dass man sich Filme, die man schon immer mal sehen wollte nicht teuer auf DVD kaufen muss, sondern günstiger im Kino sehen kann.
Diese Gruppen sollten Kinobetreiber verstärkt ansprechen.
- Besondere Kinosäle
Zugegebenermaßen ein etwas spezieller Punkt. Neue Kinobesucher wird man hiermit sicherlich nicht anlocken. Aber: Man kann häufige Kinobesucher damit dazu bringen, noch öfter ins Kino zu gehen. Was ja auch durchaus erstrebenswert ist.
Der normale Kinosaal sieht heutzutage nämlich überall gleich aus. Dunkelblaue oder rote Sessel mit Kunststoffbezug, Lehnen, manchmal auch Becherhalter. Dunkler Teppich, dunkle Wände, spärliche Beleuchtung.
Aber ab und zu findet man noch Kinosäle mit Charakter, diese Kinosäle, die mit leichtem Prunk an die alten Kinos erinnern, die man heute nur noch aus Filmen kennt. Manchmal noch mit Emporen oder Balkon, Kronleuchtern oder einfach nur einer Tapete die geradezu herausschreit: "Ich bin nostalgisch!".
Bei regelmäßigen Kinogängern kann der Kinosaal das Zünglein an der Waage sein. Ein kleiner, hässlicher Saal mit winziger Leinwand gilt da bei Filmen, die eher Wackelkandidaten sind, als Gegenargument. Doch wenn der Saal ansprechend ist, nimmt man mitunter die kleine Leinwand in kauf und geht trotzdem in den Film.
Auch hier möchte ich wieder das Rex am Ring als Referenz anbringen:
Im Keller, der mit seiner schiefen Mauer und den groben Steinen einen ziemlichen Untergrund-Stil verfolgt, gibt es einen Kinosaal mit 70er-Jahre-Eierschalen-Stühlen (auch bekannt aus "Men in Black"), kleinen Tischen neben den Stühlen und einem allgemeinen Flair, wie aus einem zwanzig Jahre alten Independetfilm. Dieser Charme des Saals allein lässt einen schnell denken: "Mh, vielleicht warte ich dann doch nicht auf die DVD des Films, sondern gehe jetzt rein!".
Die besondere Gestaltung eines Kinosaals ist sicherlich aufwändig und mindert auch seine Kapazitäten. Flair und Charme kosten Platz, vor allem wenn man den komplett durchziehen möchte und nicht bloß mit einer schönen Wand und einem guten Teppich zufrieden ist. Deshalb verlange ich nichtmals, das alle Säle umgestaltet werden. Wenn sich die Kinobetreiber ihren kleinsten Saal vornehmen würden, wäre das schon völlig ausreichend.Im kleinsten Saal laufen normalerweise eh nur kleinere Filme oder Streifen, die ihren Besucherzahlen-Zenit überschritten haben. Hiermit den Saal zu füllen ist eh schon schwer, und wenn der Saal dann auch noch nicht besonders ansprechend ist, wird es nur noch schwerer, Zuschauer rein zu bekommen. Warum also nicht ein bisschen in die Gestaltung investieren und so diejenigen reinlocken, die sich sonst denken "Der Film ist zehn Wochen alt und läuft nur noch in Saal 7... da warte ich lieber auf die DVD!"?
- Rabatte für Wiederholungstäter
Überall wird man mit Treuepunkten und -rabatten belästigt. "Kaufen Sie Waren in einem Wert über 30 Euro, und Sie erhalten einen Regenschirm.", "Sammeln Sie 30 Extrapunkte, und Sie erhalten eine Vergünstigung von 10% auf Herrenmode.", "Tanken Sie zehnmal Normal-Benzin im Wert von mindestens 50 Euro, und Sie erhalten 5% Rabatt, wenn Sie das nächste Mal Diesel tanken!"...
Warum gibt es nicht solch eine Aktion dort, wo sie Sinn macht und uns nicht belästigt? Wie wäre es mit Rabatt für Leute, die sich Filme mehrfach ansehen?
Folgende Situation sollte doch jeder kennen: Man geht in einen Film, fand ihn super, denkt beim rausgehen aus dem Saal, dass man den gerne noch einmal im Kino sehen würde... und geht dann doch nicht. Irgendwann wird man faul, guckt sich andere Filme an, hat keine Zeit für's Kino oder ist zu geizig den vollen Preis für einen Film zu bezahlen, den man bereits gesehen hat. Und schon denkt man sich, dass man auch auf die DVD warten kann.
Wieso nutzen Kinos nicht diesen Willen aus? Die erfolgreichsten Kinofilme aller Zeiten sind nahezu allesamt nur deshalb so große Erfolge geworden, weil Leute mehrfach in diese Filme rein rannten. Gebt den (potentiellen) "Wiederholungstätern" Rabatt, und sie werden öfter kommen.
Vor allem sei aber folgendes gesagt: Eine Rabattpolitik für Leute, die sich Filme mehrfach ansehen würde nicht nur Filmen wie "Harry Potter", Titanic oder Pirates of the Caribbean zugute kommen. Bei vielen Filmen erwägen manche Kinobesucher einen zweiten Besuch. Doch während bei den genannten Beispielen die Qualität des Films oder die Fan-Dynamik auch zu einem zweiten Kinobesuch verführt, geht der Gedanke bei anderen Filmen verloren. Mit Rabattsystem jedoch...
So werden auch Teenager mit größeren Freundeskreisen wieder vermehrt ins Kino gelockt. Da sah man sich mit drei Mann einen Film an, wollen zwei Tage später manche Freunde, die nicht mitkamen, doch in den Film.
Bislang lies man sie allein in den Film, aber dank Vergünstigung überlegt es sich sicherlich so mancher, ob man nicht doch nochmal mitkommt.
Und bei Filmen mit hoher Wiederholungsquote lässt sich doch sicherlich über eine Prämienaktion reden. Am besten mit Unterstützung des Verleihs. "Wer fünfmal Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt im Kino sah, bekommt ein Black-Pearl-Flaschenschiff." Das wäre doch eine Sache, für die manche Fans ein weiteres Mal ins Kino gegangen wären.
- Menüs an der Snacktheke
Die Snacktheke ist für Kinos der wahre Gewinnbringer. Bei den Konditionen, die die Verleiher aufstellen ist an einem Film für das Kino kaum noch Geld zu holen.Damit sich die Kinos also wieder mehr leisten können (um es - hoffentlich - an die Kunden zurückzugeben), müssen sie mehr verdienen.
Aber wie oft ist man gestresst und hat keine Lust sich kurz vor'm Film an die überfüllte Theke zu stellen, wo sich dutzende Leute fragen, ob sie nun die mittlere Cola und das große Popcorn wollen, oder umgekehrt. "Teilen wir uns das große Popcorn? Ach, neee... wie machen wir das dann mit der Cola?"
Manche Kinos haben den Dreh raus: Sie bieten Menüs an. 2 Getränke und großes Popcorn = Partnermenü. Mittleres Popcorn + Mittleres Getränk = Normales Kinomenü. Und so weiter. Die Leute entscheiden sich schneller, die Schlange ist kürzer, mehr Leute gehen "nur ganz kurz" an die Snacktheke. Perfekt! Das Kino verdient mehr, und der Zuschauer muss nicht mehr hinter mit knurrendem Magen im Kino sitzen, weil seine Freunde nicht an die Snacktheke wollten.
Nun noch schnell mehr Movie-Tie-Ins entwickeln (Großes Popcorn + Großes Getränk + Cooler Hut = Indiana-Jones-Special, Poster + BBQ-Chips + Bier = Planet-Terror-Menü,...) und die Erlebnis-Kinogänger sind wieder glücklich.
- Anspruchsvolles Rahmenprogramm
Wie wäre es, wenn bei ausgewählten Filmen nach bestimmten Vorführungen ein gut informierter Kinoangestellter eine kleine "Podiumsdiskussion" leitet? Der interessierte Kinogänger wird dafür sicher auch ein paar Euro mehr springen lassen...
Das waren ein paar meiner Vorschläge. Nun seid ihr dran! Wo stimmt ihr zu, was seht ihr anders, welche Ideen habt ihr noch?
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