
Was für ein Abend. Grauenhafte Performances, miese Lieder und dann immer wieder Lieder mit Potential, die aber gelangweilt vorgetragen werden - letzteres vor allem Balladen. Und dann in Mitten des Wettbewerbes ein paar Highlights auf die ich mich schon gefreut habe. Doch, um alles noch zu toppen, außerdem einige totale Überraschungen. Ich sah mir alle Songs im Netz an und kommentierte sie hier im Blog. Ich verfolgte die Halbfinal-Shows. Und trotzdem tauchten plötzlich Beiträge auf, die ich auf einmal richig gut fand und zuvor als mittelmäßig abgetan habe.
Lieder, die erst mit mehrfachem hören gut werden gibt es ja immer wieder. Aber gerade bei so einer Sendung wie dem Eurovision Song Contest rechne ich eigentlich nicht mit solchen Songs. Schließlich sollen hier die normalen Zuschauer erreicht werden, die sich nicht vorab informieren und die Lieder nur einmal hören.
Aber was soll ich sagen... So war es dieses Jahr, und ich freue mich tatsächlich schon auf nächstes Jahr. Sonst bin ich ja immer nach dem ESC erstmal völlig übersättigt und brauche eine Pause - ähnlich wie bei den Oscars, nach denen man mal wieder denkt "Das war's jetzt? Okay... Bis nächstes Jahr habe ich vielleicht auch wieder Lust darauf. Aber jetzt brauche ich Ruhe."
Und das überrascht mich durchaus. Den der Abend begann denkbar mies:
Thomas Hermanns blödelte sinnlos zwischen den Gastauftritten her, Nicole sang ihren von mir so verhassten Gewinnertitel (es wird Zeit, dass wir nochmal gewinnen, damit die ARD zwischen zwei Gästen wählen kann, bei denen man behaupten kann, sie haben für usn gewonnen) in einer miesen Remix-Version, die auch noch Vollplayback war, mies abgemischt wurde und dann nichtmal lippensynchron verkauft wurde.
Die ersten 90 Minuten des Abends hatten dann auch noch mit Tonproblemen zu kämpfen... Tja, und dann gab es noch das peinlichste und aufgesetzteste "Wort zum Sonntag" seit es Sonntage gibt.
Mit Beginn der eigentlichen Show wurde es kaum besser: Das nervige Lied des letzten Jahres wurde als Eurodance neu gemischt und aufgeführt (langsam glaube ich an eine Verschwörung), und das Moderatoren-Duo aus Serbien war mies. Ein talentloser Marco-Schreyl-Verschnitt und eine Dame mit seelenlosen Augen... So seelenlos, man bekam es mit der Angst zu tun.
Peter Urban, der eigentlich zum ESC dazugehört und auch in den Halbfinal-Shows durchaus zu überzeugen wusste recycelte seine Ansagetexte 1:1 und raubte dem Abend somit etwas Kraft.
Dafür retteten die paar Schwankungen meiner Einschätzung einiger Songs im Finale gegenüber der vorherigen Einschätzung wieder meinen Abend. So flaute Russland in meiner Gunst nochmal um einige Punkte ab. Hier bewies sich dann übrigens, wie der ESC funktioniert: Fand ich die Nummer beim ersten Anhören ganz passabel und hätte ihr eine Top 5-Platzierung gegönnt, so hätte ich das Lied heute nur noch im Mittelfeld platziert. Doch Europa wählte den von Timbaland inspirierten Song zum Gewinner des Abends. Das erste Hören entscheidet - augenscheinlich - tatsächlich beim ESC. Das sollte man sich für die Zukunft merken.Armeniens Beitrag "Qele Qele" prognostizierte ich damals eine gute Platzierung, die aber knapp nicht zum Sieg reicht. Mir selbst gefiel das Lied etwas weniger, als ich Siegpotential in ihm gesehen habe. Nun aber, bei der Live-Performance im Finale und dem x-ten Anhören, gönnte ich dem Song auch eine solche Platzierung. Das Ergebnis: Platz 4. Hey... ich hätte doch Wetten setzen sollen...
Ebenfalls (noch) besser als zuvor fand ich während der Finalshow die Beiträge von UK und Kroatien. Schade nur, dass das Vereinigte Königreich mit der lässigen, funkig-swingenden Tanznummer jedoch völlig baden ging (14 Punkte = 23. Platz). Ich befürchte, dass die Briten nächstes Jahr wieder Müll zum ESC schicken, weil sie es leid sind. Sogar mit Qualität gehen sie unter.
Kroatien trat ja mit der exotischen Independent-Osteuropa-Reisedrama-Nummer mit den singenden Straßenkünstlern im Rentneralter an. Dem Lied attestierte ich viel Reiz, fand es aber für ein gutes Abschneiden zu exotisch. Im Finale wuchs es mir fast schon ans Herz und wollte es beinahe als Geheimfavoriten einschätzen. Dementsprechend groß meine Enttäuschung, als die 44 Punkte den 21. Platz bedeuteten. Aber ich hätte es wissen müssen.
Völlig verschätzt hatte ich mich anfangs dagegen bei Griechenland: "Secret Combination" gefiel mir heute Abend überraschend gut und ich habe, als sich die Podiumsplätze abzeichneten, richtig die Daumen gedrückt, damit es gegen Russland reicht. Auch verschätzt habe ich mich bei Finnland, die ich weiterhin klasse fand - der Rest Europas anscheinend aber nicht.
Ukraine und "Shady Lady" fand ich weiterhin richtig klasse, während ich Lettlands Billig-Piraten mittlerweile noch schlechter als "Dustin the Turkey" finde - wohl auch, weil sie der schlimmere Ohrwurm sind.
Über Deutschlands Abschneiden (Platz 23) brauch' ich ja wohl nicht viel sagen, oder? Das Lied war zu unauffällig, die No Angels sangen heute etwas schief... Ein so schlechter Platz war nun unverdient, aber alles über den Top 15 wäre ein Wunder gewesen.
Das schlimmste ist sowieso nicht die Blamage - viel schlimmer werden die Diskussionen in den nächsten Tagen sein, in denen von Ostblock-Connection die Rede sein wird, von Betrug und der generellen Absurdität des Eurovision Song Contests.
Ich werde mich aus dem Kram wohl raushalten. Ich fordere hiermit offiziell, dass Stefan Raab gefälligst wieder Interesse am ESC haben soll und demnächst wieder für uns antritt. Bis dahin dürfen wir gerne Rammstein ins Ausland schicken. Die werden auch noch was hinbiegen.
Für mich war es nun also fast mit der ESC-Saison 2008. In den kommenden Tagen werde ich aber noch ein paar Links mit besonderen Auftritten setzen, und vlt. noch ein paar Kommentare ablassen. Und dann heißt es wieder warten, bis der Vorentscheid 2009 ansteht...
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