Montag, 18. Februar 2008

There Will Be Film: Ein Blogeintrag in 3 Akten - Akt 1: Allein am Sonntag

Man sieht sich immer zweimal im Leben, gerne auch öfter. In manchen Fällen dauert es seine Zeit, bis das Wiedersehen stattfindet, andere Male dagegen geht es ziemlich schnell.
Verglichen mit dem hohen Takt, in dem ich in anderen Kinos aufschlage, ist die Zeitspanne zwischen meinem ersten Besuch im Capitol und dem Wiedersehen schon von erschreckend großem Ausmaße.

2005 war ich zum ersten Mal in diesem Programmkino einer nahe gelegener Großstadt. Es war eine gänzlich andere Zeit. Damals hatte ich noch keinen Führerschein und war dementsprechend stärker an meine Heimatstadt gefesselt, wenn es um Kinobesuche ging. Nur wenn ich mich stark genug nach einem Film sehnte und mit aller Kraft meine Eltern überreden konnte, konnte ich mir auch einen Kinobesuch außerhalb des üblichen zu Fuß oder auch mit Bus erreichbaren Umkreises gönnen.
Einer dieser Filme, die mich auf Anhieb so sehr begeisterten, dass ich meine Eltern im Nu davon überzeugen konnte, dass es wohl besser wäre mich ins Kino zu fahren (während sie den Hund Gassi führen und in Eiscafés warten... ja, meine Eltern machten das Beste aus der Situation und waren ganz zufrieden) war Garden State.

Diese Filmperle nahm mich sofort für sich ein. Als ich den Trailer sah, war ich begeistert. Ich musste den Film einfach sehen.
Es klappte. In einem charismatischen, aber auch etwas runtergekommenen Programmkino konnte ich Zach Braffs absolut großartiges Regiedebüt bestaunen. Diesen fabelhaften Kinobesuch werde ich nie vergessen...

Damals war mir klar, dass ich wieder in dieses Kino gehen möchte. Ich fand es einfach zu stylisch mir dort Filme ansehen zu können, die hier sonst nirgendwo laufen.
In der darauf folgenden führerscheinlosen Zeit kam aber kein Film mehr heraus, der es mir Wert war meine Eltern schon wieder zu einer einstündigen Autofahrt zu nötigen, und als ich dann den Führerschein bekam liefen die einen oder anderen interessanten Filme, die im Capitol kamen auch in Kinos, die etwas näher lagen. Zwei Mal zog es mich auch zu dessen "Schwesterkino" ein paar Straßen weiter in der Stadt.

Aber nun war es wieder so weit. Mich gelüstete es nach Kino, nach einem Film mit dem verheißungsvollen Titel "There Will Be Blood" und viel versprechenden acht Oscar-Nominierungen in der Tasche. Das einzige Kino im Umkreis einer mit gesundem Menschenverstand noch zu vereinbarender Anreisedauer: Das Capitol.

Da außer mir niemand Lust auf diesen Film hatte, fuhr ich also allein ins Kino. Es war Sonntag Abend und langsam ging auch schon die Sonne unter. Als ich dann in der Stadt ankam war es bereits stockduster und die Straßen waren wie leergefegt. Dabei ist es doch erst 18.30 Uhr!
Nachdem ich endlich einen Parkplatz fand (seltsam, die Straßen sind völlig leer, Parkplätze sind trotzdem so schwer zu finden wie eine Nadel im Heuhaufen!), dachte ich mir, dass bis zur Kinovorstellung ja noch genug Zeit sei, also könnte ich endlich mein Frühstück nachholen. Oder mein Mittagessen. Oder auch beides. "Ab zu Subway!", lautete die Devise, die ich (mit ein paar Subway-Gutscheinen in der Geldbörse) mir selbst in Gedanken zurief.
Nur, wo war hier denn nochmal der Subway? Ich wusste nur, dass er irgendwo in der Nähe des Rathauses gewesen sein musste. Also ging ich im dunklen die leeren, verwinkelten Straßen entlang, voller Verwunderung, dass bereits jetzt absolut gar nichts los ist. Doch das sollte mich nicht stören, ganz im Gegenteil. So finde ich die Straßen normalerweise erst nach 1 Uhr wieder (bei mir zu Hause auch gerne mal schon nach 17 Uhr), und da laufe ich doch erst zu Hochtouren auf. Solange ich keine Vorlesung am nächsten Tag habe.
Im Fünf-Minuten-Takt schlurften dann doch immer wieder Mal ein paar Leutchen ganz mühselig an mir vorbei. Es war völlig surreal - die Leute schlurften vollkommen übermüdet vorran und schienen nur noch ein Ziel zu haben "Nach Hause!". Die Lichter in der Stadt waren gedimmt und nur mit Mühe ließen sich Restaurants finden, in denen die Kellner nicht bereits Theke und Boden wischten. Es war so, als wäre es mitten in der Nacht und langsam würden alle verbliebenen Gäste rausgekehrt. Dabei war es immer noch vor 19 Uhr!

Irgendwann erreichte ich dann auch das Rathaus und ging einmal um den Block. Aber keine Spur vom Subway. So ging ich in die Seiten- und Nebenstraßen, lief drei Mal im Kreis und bemerkte, dass ich den laden wohl nicht mehr finden werde. Ich beschloss zum Kino zurückzugehen und auf dem Weg einfach irgendwo einen Snack zu kaufen. Nur fand ich den Weg nicht mehr zurück und landete plötzlich vor der Fußgänger-Shoppingstraße, die, wie ich noch wusste, überhaupt nicht auf meinem Weg zum Kino lag.

Also wahllos in die nächste Seitenstraße gegangen, in der Hoffnung am Kino irgendwann wieder auszukommen. Links, rechts, geradeaus, schräg rechts hoch...
Und schon war ich in einer Nebenstraße, die ich wieder erkannte, sie war nur 2 Gehminuten vom Kino entfernt. Keine Ahnung, wie ich da jetzt wieder hinkam. Jedenfalls wurde mein Hunger nur noch größer, und ich ging in das südeuropäische Restaurant, das da auf einmal stand und bisher noch nie von mir bemerkt wurde. Öffnungszeiten: Von 11 Uhr bis 5 Uhr. "Wow, gut zu wissen!", dachte ich mir. Vor etwas mehr als einem halben Jahr irrte ich nämlich mit ein paar Freunden in der Nacht durch diese Stadt, alle mit riesigem Hunger. Aber es war so spät, sogar McDonalds hatte schon zu! Und so stapften wir mit knurrenden Mägen zum Bahnhof, um auf unseren nächsten Zug zu warten und die Süßwarenautomaten zu plündern...

Nun weiß ich, dass es also tatsächlich was gibt, wo man auch zur absoluten Sperrstunde noch was zu essen gibt. Nun muss es nur noch schmecken...

Das Restaurant ist zugleich Imbiss und Restaurant. Ein Mitarbeiter lenkt diejenigen, die "im Hause" essen wollen nach links, alle anderen nach rechts zu einer Schnellfutter-Theke. Das besondere: In diesem griechisch benannten Restaurant gibt es sowohl Gyros, als auch Döner.

Gyros und Döner. Bei einem Griechen. Das ist so, als würde McDonalds auch Whopper verkaufen. Oder Burger King den BigMäc. Als würden die Höhner in Düsseldorf "Viva Colonia!" singen.
Das geht nicht mit rechten Dingen zu.
Ich wählte übrigens Gyros. Ich finde Gyros einfach interessanter gewürzt als Döner, die Kräuter geben dem ganzen doch erst den richtigen Kick. Außerdem ist es mittlerweile richtig schwer geworden irgendwo eine Bude zu finden, die Gyros verkauft. Der etwas günstiger herzustellende Döner hat sich in dem Bereich halt eine Monopolstellung erarbeitet. Das hat Vorteile (irgendwo findet man immer ganz billig ein paar heiße Scheiben Fleisch), aber auch Nachteile (ich musste mich in der Nähe meiner Uni durch fünf Dönerbuden probieren, bis ich eine mit wirklich scharfer Soße, gutem preis/Leistungs-Verhältnis UND freundlicher Bedienung gefunden habe). Da wird man wohl einen der seltenen Fälle ausnutzen dürfen, in denen man tatsächlich Gyros angeboten bekommt...

Kaum war das sich drehende Fleisch in meinem Magen gelandet, machte ich mich also auf ins Kino zu gehen.
Es sieht kaum anders aus, aber Mensch, hat sich viel verändert. Anstatt eines absolut demotivierten, leicht verworrenen Kartenverkäufer, der mich mit aller Macht in mehrere Vergünstigungen reinquetschte ("Was, du bist kein Student?! Egal, kriegst du Schülerrabatt!"), gab es nun eine gestrenge Kartenverkäuferin, die schnell ihre Arbeit erledigen wollte. Die Sitze im Kino wurden scheinbar repariert, jedenfalls habe ich dieses Mal kein quietschen gehört. Und: Die Popcornmaschine war eingesteckt. 2005 musste der Mann hinter der Theke noch den Schalter suchen...

Ich dachte mir aber, dass ich Mal was extravagantes ausprobiere. Und so bestellte ich kein Popcorn, sondern Weingummi (Premiere!) und statt Cola oder Fanta gab es zwei Flaschen Malzbier (Premiere! Premiere!). Andere Art von Film, andere Art der Verpflegung...

Außerdem nahm ich einen Balkonsitz. Sowas gibt es mittlerweile ja gar nicht mehr im Kino. Meistens gibt es noch so etwas wie "Loge", aber das sind auch nur die letzten fünf Reihen, die etwas höher sind und ein bisschen mehr Beinfreiheit haben als die normalen Sitze.
Doch hier gab es einen richtigen Balkon. Das musste sich einfach Mal ausprobieren. Und es ist tatsächlich ein anderes Gefühl. Man fühlt sich während des Kinobesuches irgendwie "erhabener".

Als Trailer gab es einen herrlich-schrägen Ausblick auf "Lars und die Frauen" und einen packenden Trailer zu "No Country for Old Men". Daraufhin folgte der Langnese-Spot (egal wo man hin geht, dieser Werbespot ist auch da!).
Und dann fing auch endlich der Film an...

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