Ich bin ja ein Nachtschwärmer. Das Problem daran ist, dass man nachts viel schwieriger seinen Hunger stillen kann als tagsüber. Wenn nach einer ausschweifenden Pokernacht oder einem langen DVD-Abend plötzlich der Magen knurrt, ist man mehr oder weniger aufgeschmissen. Selber kochen lässt sich aufgrund der hohen Geruchs- und Geräuschentwicklung nur dann umsetzen, wenn man allein in der Wohnung oder im Haus ist.
Wenn man weiterhin mit Freunden unterwegs ist, ändert sich die Situation auch nicht besonders. Wer will schon nach 1 Uhr mit fünf Leute in der Küche stehen um mal eben was aufwendiges zu zaubern? Zu fünft die Tiefkühltruhe des Gastgebers plündern um Pizza, Fischstäbchen oder sonstiges zu bruzzeln (beziehungsweise zu backen) ist dagegen nicht sonderlich anstrengend, aber auch nicht wirklich nett.
Wenn nachts der Hunger anklopft, heißt es "auswärts essen gehen". Doch schon nach 23 Uhr schrumpft die Anzahl der Alternativen enorm, und nach 1 Uhr gibt es hier in der Gegend nur noch eine Möglichkeit: McDonalds.
Ich mag das Essen bei McDonalds nicht besonders. Die meisten ihrer Burger sind mir zu pappig oder zu fettig, die Fritten sind im Vergleich zu denen, die ich im näheren Umkreis kaufen kann auch nicht die Rede wert.
Trotzdem strande ich immer und immer wieder beim Restaurant zum goldenen M. Entweder, weil ich von Freunden dahin mitgeschleppt werde (meistens esse ich dann die McNuggets oder neuerdings die Chicken Selects, welche ja als gesunde Alternative verkauft werden und laut Nährwertangaben eigentlich genauso schlimm sind), oder weil es sonst keine Alternative mehr gibt. Nur vereinzelt lockt mich eine Aktionswoche zu McDonalds - die Aktionsburger sind ab und an wirklich köstlich. Eine Zeit lang gab es auch eine McFlurry-Geschmacksrichtung, die mich reizte, aber die wurde natürlich abgeschafft.
So viel also über mein Verhältnis zu McDonalds. Ich hasse den Laden nicht, aber aufgrund der für mich eher geringen Auswahl an Dingen, die mir schmecken und der auch sonderlich kleinen Auswahl an akzeptablen Produkten (gegen recht viele aus der Kategorie "Mag ich nicht") hat diese Kette bei mir auch bloß den Status eines Fallnetzes - wenn alle Stricke reißen, dann halt dort hin.
In den letzten Monaten wurde mein Verhältnis zu McDonalds noch ambivalenter. Auf der einen Seite begrüße ich die Bemühungen der Kette, ihr Image zu verändern. Die Chicken-Produkte, die bei McDonalds während meiner Kindheit noch die zweite oder gar dritte Geige spielten, werden immer stärker in den Fokus gerückt und immer mehr Restaurants werden optisch veredelt.
Außerdem erwies sich das Personal im McDonalds in der Nähe meines Gymnasiums als sehr geduldig - als wir anfingen in Lerngruppen für das Abitur zu büffeln waren die Angestellten nirgends toleranter gegenüber uns in Bücher versunkenen, wenig bestellenden und trotzdem lang dort bleibenden Leutchen wie bei McDonalds.
Auf der anderen Seite werden die Preise immer höher, während sich die Portionsgrößen gar nicht verändern oder sogar kleiner werden und die Qualität der teureren Produkte gar nicht besser wird oder nur minimal. Der Preisanstieg steht also überhaupt nicht im Verhältnis zur Leistung. Zugleich ist der Imagewandel ziemlich scheinheilig. In den USA gestartet um gegen Starbucks anzukommen und deren Laptop schleppende Business-Kundschaft abzuwerben, bringt uns das neue Erscheinungsbild in Deutschland herzlich wenig. Ja, es sieht besser aus. Aber die braunen Ledersessel und dunklen Holztafeln sind auch ein deutliches Overstatement und die Kundschaft hat sich auch nicht wirklich verbessert.
Trotzdem erfreut sich McDonalds bei der Jugend ungebrochener Beliebtheit - es sei ja so billig und lecker.
Das nennt man wohl erfolgreiches Markenbranding. Durch die übermächtige Stellung im Fast-Food-Bereich und die fast schon an Kult grenzende Beiweihräucherung der Marke zu Beginn der 90er (und die keineswegs die Popularität einschränkenden Anti-Mäcces-Witze gegen Ende der 90er) sind die jetzt 16 bis 23-jährigen völlig hörig auf McDonalds. Anders kann ich es mir nicht erklären. 2,3 Millionen Gäste täglich und immer wieder bekommt man zu hören, es sei schnell und günstig.
Schnell? Vielleicht. Aber günstig?
Ein Chickenburger (Portionsgröße 148 Gramm) kostet 1,30 €, der momentan beworbene Big Cheese (Portionsgröße: 232 Gramm) kostet einzeln 3,79 € .
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Ich gebe zu, der Big Cheese war ein Aktionsburger, der mich wieder zu McDonalds gelockt hat. Einen ähnlichen Burger gab es bereits letztes Jahr im Angebot und er hat mir recht gut geschmeckt. Aber die Preise für die Aktionsburger nehmen mittlerweile unvorstellbare Höhen an und über 6 Euro für ein Maxi Menü sind echt lachhaft. Aber McDonalds war ja immer günstig, also wird das ja auch jetzt so sein... Die haben ja ihre 1-Euro-Produkte... (aus dem 1-Euro-Programm wurden übrigens bereits 2 Artikel entfernt).
Schauen wir nun zu Burger King.
Burger King steht generell im Schatten von McDonalds. Weder in Deutschland, noch in den USA hat es diese Kette geschafft sich gegen den Mitbewerber zu behaupten. Ja, Burger King gehört zu den erfolgreichsten Restaurantketten weltweit, aber man bleibt nunmal "die andere große Burger-Braterei".
Doch Burger King ist weiterhin groß im Aufschwung. Waren vor einigen Jahren "Burger King"-Werbespots eher irgendwo im Jugendprogramm versteckt, laufen sie nun mit erhobenem Haupt genauso wie die von McDonalds andauernd im Programm. Und Burger King (bzw. die deutsche Geschäftsführung) erkennt die Zeichen der Zeit. Auch wenn die McDonalds-Abtrünnigen weiterhin eher wenige sind, so versteht es diese Kette, sie sofort für sich zu gewinnen. Burger King bietet es von sich aus an, seine Burger individuell zu verändern. Bei McDonalds bleiben Fragen wie "Geht das auch ohne Zwiebeln?" Sonderwünsche.
Und während McDonalds immer teurer wird, stürmt Burger King immer öfter den deutschen Markt mit Dumping-Aktionen. Zwischendurch erfolgen weiterhin Aktionen, die preislich an McDonalds erinnern, doch der Großteil der Aktionswochen zeigt McDonalds mittlerweile, wo die Preisspirale hinführen sollte.
So auch die aktuelle Aktion: Für 3,99 bekommt man einen Burger mit doppelt Fleisch und wahlweise Ketchup, Zwiebeln und Chillischoten oder mit zwei Scheiben Käse, Gurke und Ketchup. Dazu ein mittleres Getränk und eine mittlere Portion Pommes.
Wie kommt es also, dass Burger King ein ganzes Menü anbieten kann, das nur 20 Cent mehr kostet als der aktuelle Aktionsburger von McDonalds?
Klar. Burger King will die Leute anlocken, die realisieren, dass McDonalds unverschämt teuer geworden ist.
Sicherlich ist auch Burger King nicht perfekt. McDonalds macht die besseren Desserts und hat im Normalfall die innovativeren Aktionen. Aber Burger King ist frischer, erfüllt Sonderwünsche ohne murren und vergleichbare Burger gefallen mir in der Regel bei Burger King besser. Außerdem finde ich den derzeitigen Trend, aus knalligen 50er-Jahre-Stil-Einrichtung langsam gediegeneres 50er-Ambiente zu schaffen ehrlicher als die Umwandlung bei McDonalds.
Und zu guter Letzt: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist viel besser.
Warum ich das alles schreibe? Weil ich letztens kurz hintereinander an einem Burger King und an einem McDonalds vorbei ging. McDonalds war völlig überfüllt, man sah viele Leute mit der auffälligen Verpackung der aktuellen Aktionsburger. Burger King dagegen war kaum gefüllt. Ich frage mich echt, wie viel teurer McDonalds noch werden darf, und wie weit Burger King noch seine Preise drücken muss, bis sich das mal ändert.
Ein Burger King-Menü zum Preis eines McDonalds-Burgers finde ich jedenfalls schon sehr extrem.
Aber mir als Gelegenheitskunde kann das ja egal sein... Ich wundere mich halt nur.
6 Kommentare:
Sehr stark geschrieben, und komplett richtig..ich bin leider aus dem Grund noch nicht komplett von Mcess weg, weil sie bei uns einfach einen sehr guten Platz in der Innenstadt erwischt haben, wo man "einfach mal so" hinkann, dazu nehme ich sowieso immer dasselbe: 2-3 Cheeseburger, mal ein McFlurry..
Sollten DIE sich jedoch auch noch preismäßig verändern, wäre ich wohl endgültig weg. Seit der Preisänderungen bin ich schon wesentlich häufiger "die paar Meter mehr zu Burger King" gegangen, als zu Mcess zu gehen..
Vielen Dank für das Lob :-)
Mit diesem Beitrag lief ich schon einige Zeit "schwanger", aber als ich am Tag, an dem ich gepostet habe die ewig lange Schlange bei McDonalds sah und den nur mäßig gefüllten Burger King ein paar Meter weiter, da habe ich es einfach mal versucht und losgeschrieben.
Freut mich auch zu sehen, dass ich nicht als einziger so denke. Ich werde nämlich öfter mal schräg angeguckt, wenn ich als einziger für Burger King stimme. Sooo langsam kann ich aber vereinzelte Freunde überzeugen.
Also prinzipiell würde ich auch den meisten Dingen zustimmen, vor allem die Preise haben sich bei McDonalds ja schon seit längerem gewaschen. Sonderlich günstig ist da nur noch ganz wenig. Ob man nun lieber zu Burger King gehen sollte bleibt aber glaube ich eine ewige Glaubensfrage. mir z.B. passt deren Angebot überhaupt nicht und das wenigste schmeckt mir. Dass McDonalds vor allem im Markenbranding spitze ist, steht wohl außer Frage.
Burger King steht bei mir ganz klar an oberster Stelle. Auch beim Marketing... denn während McDonalds krampfhaft versucht mit dummen Werbespots den Burgerbrei unters Volk zu bringen, kann Burger King mit trockenem Humor und unglaublich guten Ideen vollkommen den Stilvollen FastFood Liebhaber überzeugen. Vorallem auch die kleinen Sprüche die man überall finden kann.. an den Eingangstüren, an den Toilettentüren, früher auch am Rand der Servietten.. ich finds klasse. Und der gute Geschmack des essen hat bei Burger King natürlich die klare Überhand. Das nächste MCD ist kann ich bei mir fast aus dem Garten raus sehen. Der nächste Burger King ist 10min mit dem Auto entfernt. Wenn ich Hunger bekomme denke ich garnicht erst an dieses blöde M...
Schöner Artikel! :)
Liebe Grüße..
Auch wenn Mc Donalds betreffend den Preisen nicht gerade zimperlich ist, gehe ich persönlich dennoch lieber nach Mc Donalds, wobei ich sagen muss, das Mc Donalds auch einfach viel näher ist. Habe aber leider mal einen schlechter Burger King erwischt und seitdem bin ich ein absoluter Boykottierer.
Die Preispolitik bei McDonald's ist mir in letzter Zeit auch negativ aufgefallen. Erst gestern wieder beim Kauf eines Big Mäc. Preisaufschlag von über 20%. Auch ich habe deshalb einen Bericht in meinem Blog dazu veröffentlicht. http://chartbreaker.info/archives/38
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