Samstag, 23. August 2014

Mickyretten leicht gemacht


Die Verkaufszahlen des Micky Maus Magazins kennen seit geraumer Zeit nur noch eine Richtung: Abwärts. Und dies ist leider nicht sonderlich verwunderlich. Wenn selbst zahlreiche erwachsene User des Disney-Comic-Forums seit Jahren alle anderen Disney-Publikationen kaufen, dem Micky Maus Magazin aber aus dem Weg gehen, die letzte Ausgabe des Fanzines Bertel Express die klare Ansage des Herausgebers beinhaltet, sein Abo auslaufen zu lassen und auf das niederländische Donald Duck umsteigen zu wollen und auch ich nur noch sehr sporadisch das Mäuseheft kaufe, dann ist ein klarer Trend zu erkennen ... Der harte Kern bricht weg. Ein Disney-Heft, das viele bekennende Disney-Liebhaber mit Missachtung strafen, obwohl sie sonst oft auch Schrott erwerben (nur weil Disney drauf steht), muss etwas Gravierendes falsch machen.

Und dass die anvisierte Kinder-Zielgruppe dem Ehapa-Wochenheft längst nicht mehr die Bedeutung zukommen lässt wie vor einem Jahrzehnt oder noch früher, sollte angesichts der Quartalszahlen ebenfalls ersichtlich sein. Die Ausrede, dass der Printmarkt generell in Trubel ist, zählt an dieser Stelle übrigens nicht. Das Donald Duck Sonderheft hält sich wacker und die Marke Lustiges Taschenbuch explodiert in jüngster Vergangenheit geradezu: Ehapa startet eine Nebenreihe nach der anderen, was alles andere als ein Indiz für mangelndes Publikumsinteresse ist.

Ein Relaunch muss her. Eine Neupositionierung auf dem Comicmarkt. Eine radikale Veränderung. Der oft geäußerte Wunsch erwachsener Fans, das Micky Maus Magazin einfach nur auf ältere Leser auszurichten, die Extras zu kürzen und somit gewissermaßen eine deutsche Version des vorhin besagten niederländischen Hefts daraus zu machen, sei aber schon im Keim erstickt. Schließlich haben wir schon das Donald Duck Sonderheft, worin würde sich die Fanneupositionierung des Micky Maus Magazin schon von diesem Klassiker unterscheiden?

Nein, das Micky Maus Magazin muss zwar auch für ältere Leser interessanter werden (größere Zielgruppe und mehr Respekt bei Eltern = bessere Verkaufszahlen), hat aber seine Attraktivität für die Kids beizubehalten, um es vom Donald-Heft zu differenzieren. Es gibt viele Möglichkeiten, die scheiternde Kinderzeitschrift zu retten ... Hier sind einige Ansätze:

  • Erhöhte Sonderpreise sollten wieder die Ausnahme sein und nicht (so wie im ersten Halbjahr 2014) die Regel.
  • Bessere Comics! Wir wissen, dass es Tausende von guten Disney-Comics gibt, also muss sich das MMM ja auch irgendwie füllen lassen ...
  • Verbessert die Redaktionsseiten! Ja, angeblich ergeben die Leserumfragen, dass Kids sie lieben. Aber es bringt nichts, wenn die sinkende Anzahl an Käufern sie mag. Jene, die das Heft nicht (mehr) kaufen, müssen dazu gebracht werden, sie lesen zu wollen. Es gab Zeiten, da waren die Redaktionsseiten des MMM witzig und informativ. Mittlerweile sind sie reinster Schrott. Wir brauchen bessere Witze auf den Witzseiten, interessantere Informationen auf den Infoseiten. Wenn die Ducks in einem Comic in Venedig sind, verfasst eine Doppelseite mit nützlichem und unnützem Wissen über Venedig! Macht einen auf Geo Kids oder eine familienfreundliche Version der Neon. Früher hatte "Schon gewusst ..?" was von der legendären Neon-Rubrik über unnützes Wissen, also würde es heute auch ziehen. Vielleicht kehren einige ältere Kids und Erwachsene wieder zum Heft zurück. Und die Kids, die das Heft eh schon lesen? Nun, die werden wohl kaum durch die Qualität verschreckt, oder?
  • Mehr disneyzentrische Extras. Italien kommt mit Entenhausen-Bausätzen, Disney-Modellautos und ähnlichem an, in Deutschland lässt sich das MMM nicht von den Dutzenden anderer Kiddie-Hefte unterscheiden. Und ja, das ist keine neue Entwicklung, aber die Konkurrenz ist größer als in den 90ern, obwohl der Markt kleiner ist. Überlasst den Plastikschrott Barbie, Phineas & Ferb, SpongeBob Schwammkopf und Co., gebt dem MMM mehr Disney. Man kann ja aus Kostengründen drei Mal Micky-/Donald-/Goofy-Krimskrams nehmen und nur einmal im Monat wirkliche Sammlerstücke. Es wäre schon eine Verbesserung.
  • Weniger grelle Farben auf dem Cover. Man sollte denken: Grell = auffällig = wird gekauft. Das MMM war aber lange Zeit ein Heft, das aus Tradition gekauft wurde. Und keine gedruckte Quengelware. Wenn das Magazin vertrauenserweckender aussieht, kaufen die Eltern es auch verstärkt aus eigenem Antrieb ...
  • Und hier meine vielleicht kontroverse, große Idee: Macht aus dem Micky Maus Magazin ein alles umfassendes Disney-Magazin, lockt so eine breitere Masse an Lesern an und labt euch am Effekt, dass die einzelnen Submarken Werbung für die anderen machen. Vergrößert den Umfang. Packt die sicherlich unvermeidliche Star Wars Rebels-Comicreihe nicht in ein eigenes Heft, sondern ins MMM. Aus Ermangelung an Marvel-Comicrechten im Hause Ehapa müssen Backgroundinfos über Filme, Videospiele und Serien herhalten. Andere Disney-Marken wie Pixar, die Muppets oder Retro-Marken wie die Disney Afternoon-Serien könnten in größeren Abständen ebenfalls repräsentiert werden. Berücksichtigt, was im Disney Channel läuft! Wichtig: Keine schäbigen Promo-Comics und lustlos runtergerotzte Redaktionsseiten! Es müssen gute Beiträge sein. Berichtet nicht eine Woche vor Kinostart über den nächsten Marvel-Film, indem ihr die üblichen Werbeworthülsen wiederholt. Macht einen auf spezialisiertes (kindertauglich formulierendes) Kinomagazin und blickt mit Vorausblick auf alles aus dem Disney-Konzern. Es gibt Castingnews zu PotC 5? Schreibt darüber! Aber: Behaltet den prozentualen Anteil an Entenhausen-Comics mindestens auf dem aktuellen Niveau, um die alten Fans nicht zu vergraulen. Wenn sie mit dem Rest nichts anfangen können, werden sie ihn dann genauso überblättern wie den unnützen Fluff in der aktuellen Version. Aber: Star Wars-Kids werden die neuen Geschichten lesen wollen, also auch das MMM kaufen, um an sie heranzukommen. Und dann, wenn man sie in einem noch vorurteilsfreien Alter abholt, gewiss auch Donald und Co. lieben lernen ...
Schlussendlich ist es aber egal, wie das Micky Maus Magazin gerettet wird. Hauptsache, die Qualität wird erhöht und der stete Abwärtstrend bei den Verkaufszahlen abgewendet. Nicht "entweder oder". BEIDES muss geschehen. 

Donnerstag, 21. August 2014

Jungle Town


Der italienische Disney-Starzeichner Giorgio Cavazzano prägte das Aussehen zahlreicher denkwürdiger Comicfiguren. So formte er das Antlitz des mäßig begabten Detektiven Hubert Bogart oder des Außerirdischen Quacky vom Planeten Ducky, dessen Raumschiff verlorenging und dummerweise zuletzt die Gestalt eines Kreuzers annahm und daher schwer aufzufinden ist. Zudem zeichnete er den bis heute kontrovers diskutierten Mehrteiler Die Drachenritter. Und dann wären da noch zwei der atypischsten Schöpfungen des erweiterten Disney-Comicuniversums: Die Detectives Adam und Rollo.

Noch nie von ihnen gehört? Dies könnte daran liegen, dass sie nicht in Entenhausen zuhause sind. Oder überhaupt im klassischen Disney-Gefilde. Sie leben in der Stadt Jungle Town, die interessierten Lesern einmalig in einer Graphic Novel von Cavazzano und Texter Tito Faraci vorgestellt wurde. Dieses einmalige Comicalbum wurde in Italien vom kaum genutzten Disney-Sublabel Buena Vista Lab
veröffentlicht, in Deutschland brachte die Ehapa Comic Collection die Geschichte auf den Markt. Den Disney-Schriftzug sucht der geneigte Comicfreund im Jungle Town-Band vergeblich, doch im Impressum steht es ganz unauffällig: Copyright Disney Enterprises. Sprechen wir hier von einer Comicgeschichte, die unter dem Disney-Markennamen läuft, damit aber nicht prahlt – ähnlich wie der erste Fluch der Karibik-Film? Oder sprechen wir hier eher von einer Situation, in welcher zwar der Disney-Konzern das Projekt verwirklichte, aber seinen Markennamen am liebsten ganz vertuschen würde – wie bei den Touchstone-Pictures-Filmen?

Die Grenzen sind beim Comic Jungle Town schwammig, ebenso wie die Klassengrenzen in der farbenprächtigen, doch abgründigen Stadt, von der die zwei Disney-Comickünstler in ihm erzählen. Die Metropole wird (wie auch Entenhausen) von anthropomorphen Tieren verschiedenster Arten bewohnt – im Gegensatz zu den Entenhausenern sind sich die Bewohner von Jungle Town ihrer Diversität aber bewusst. Die meisten Einwohner von Jungle Town sind Nachkommen der Hunde, die dieses Gebiet vor vielen Jahrhunderten erstmals besiedelten. Darüber hinaus leben aber auch unterschiedlichste Vögel in der Großstadt, ebenso wie Nashörner, Schweine, Katzen und, und, und … Zwischen Hunden und Katzen kam es vor wenigen Jahrzehnten zu großen Rassenunruhen, die zumindest auf dem großen politischen Parkett überwunden wurden. Hunde und Katzen arbeiten in allen nur denkbaren Berufen, besuchen die gleichen Schulen und artübergreifende Ehen sind zwar selten, aber legal und toleriert. Und dennoch ist der Schmelztiegel Jungle Town kein Paradies, insbesondere nicht für Ratten – nur wenige der Nager haben es bis in die höheren Kreise der Gesellschaft gebracht, die meisten leben noch immer in Armut und werden von den wohlhabendsten Bürgern verachtet.

Als eines Morgens zwei Katzen auf einem noblen Golfplatz die Leiche einer Ratte vorfinden, schickt die Polizei von Jungle Town ihre zwei besten Schnüffler los – Adam und Rollo, die beide hinter diesem Mord eine Provokation wittern und daher recht rüde die Medien abzuschütteln versuchen, die sich auf den Vorfall stürzen. Der Vorgesetzte des Duos ist mit dem Fernsehauftritt seiner Männer ausgesprochen unglücklich und fürchtet, dass sie die Lage nur verschlimmert haben. Schließlich kochen die Differenzen zwischen den Arten unter der Oberfläche seit Jahren weiter hoch – und nun könnte alles explodieren. Zur Strafe nimmt der Polizeichef Adam und Rollo den Fall jedoch nicht weg, sondern verdonnert sie dazu, ihren Job schnell und ohne weiteres Aufsehen zu erregen zu Ende zu bringen.

Das eingespielte Team Cavazzano/Faraci schalten zwischen Adams und Rollos Ermittlungen einen zweiten Handlungsfaden, der dem Leser Adams Familie und somit den Alltag der Bevölkerung Jungle Towns näher bringt. So wird Adams als Friseurin arbeitende Katzen-Frau Marla von ihren Kundinnen voller Neugierde gefragt, wie glücklich eine Mischehe sein kann. Derweil nerven sich Adams und Marlas Kinder gegenseitig: Die jüngere Tochter fliegt auf einen Freund und Bandkollegen ihres Bruders, was das Geschwisterduo zu allerlei Wortgefechten anstiftet.

Analog zu manchen TV-Krimiserien legt Jungle Town seinen Fokus zu gleichen Teilen auf den Kriminalfall und das Privatleben seiner Figuren – diese Graphic Novel möchte kein in bunten, strahlenden Farben kolorierter und in klaren Konturen gezeichneter „Whodunnit“ sein, sondern die Gesellschaftsstudie eines fiktiven Ortes. Dessen soziologische und kulturelle Konstellation ist selbstredend voller Parallelen zur Realität. Bissige Zungen würden Jungle Town womöglich vorwerfen, mit den Beziehungen zwischen den Tierarten eine leicht zu durchschauende Analogie auf Integrationsdebatten zu wählen. Jedoch ist die künstlerische und intellektuelle Leistung dieses Bandes nicht, ein cleveres Rätsel zu entwerfen. Jungle Town will nicht mühevoll entschlüsselt werden, sondern geht den Weg eines guten Fernsehkrimis und nennt die Probleme bei ihrem Namen – niemand muss bei einem gelungenen Tatort (und ja, die gibt es ab und zu!) über die Stigmatisierung von Migranten grübeln, was wohl gemeint sein könnte.

Die Intention von Jungle Town ist es, für jeden halbwegs aufgeweckten Comicleser auf einem etwas farbenfroheren, verspielten Wege exakt das zu leisten, was eine im Kriminalgenre verortete Reflexion über Standesgrenzen, Vorurteile und Migration beabsichtigt: Diese Mixtur aus Spannungsstück und Gesellschaftsdrama stellt Fragen darüber, wie weit wir als Gesellschaft in Toleranzdiskursen gekommen sind. Und diesbezüglich ist Jungle Town deutlich cleverer als es auf dem ersten Blick scheint. Die Dialoge sind mit flotter Feder geschrieben und leicht verdaulich, hallen allerdings lange nach, da sie genau den richtigen Nerv treffen. Und auch wenn nur Adam und seine Familie charakterlich genauer ins Auge genommen werden, gelingt es Cavazzano und Faraci innerhalb weniger Seiten, eine denkwürdige Fabelwelt zu erschaffen – es ist echt bedauerlich, dass es nur diese eine Jungle Town-Story gibt.

Visuell ähnelt der Band durchaus Paperinik New Adventures, als dass er eine ungewöhnliche, aber intuitive Ehe aus dem graphischen, schmucken Look moderner, italienischer Disney-Comics und der Dynamik großer US-Superheldencomics eingeht. Dass die Sprache des Comics zuweilen etwas aggressiv verdeutlicht, dass wir uns hier nicht in Entenhausen befinden, aber noch immer in einer Welt, die sich nicht alle Vulgaritäten erlauben will, ist zwar etwas irritierend – dafür sind die Gewaltspitzen und Andeutungen von Sexualität gekonnt eingearbeitet und verkommen nie zum Selbstzweck. Die Auflösung des Mordfalls wiederum geschieht zwar so rasch, dass es bei aller Simplizität dennoch verwirrend gerät, dafür macht das unforcierte, brillante Schlusspanel einiges wieder wett.


Jedem Fan italienischer Comickünstler generell und Cavazzano/Faraci im Speziellen sei Jungle Town nur ans Herz gelegt. Ebenso wie jedem Disney-Comicliebhaber, der sich nach unkonventionellem Material sehnt, das aber dennoch einen leichten, angenehmen Disney-Beigeschmack hat.

Mittwoch, 20. August 2014

Planes 2: Immer im Einsatz


Das Fließbandprodukt Planes war noch nicht einmal angelaufen, da kündigten die DisneyToon Studios bereits zwei Fortsetzungen an. Die erste spurtete sogar mit beachtlichem Tempo in die Lichtspielhäuser und hob in den USA nicht einmal ein Jahr nach der Premiere des ersten Flugzeugfilms ab. Höhenflüge waren für den 84-minütigen Computeranimationsfilm allerdings nicht drin: Anders als der Erstling hat Planes 2: Immer im Einsatz Probleme damit, weltweit auch nur auf mehr als 100 Millionen Dollar einzuspielen. Mit seinen miesen Kritiken und eher dürftiger Zuschauerrezeption war Planes auch wahrlich kein guter Anfang für ein neues Franchise. Anders aber als bei TinkerBell, wo der erste Film klar der stärkste der Reihe war, findet Planes in seiner Fortsetzung zu neuen Höhen.

Seine Identität als primär an das kindliche Publikum gerichtetes Produkt kann Roberts Gannaways Regiearbeit zwar nicht abschütteln, allerdings nehmen Gannaways Inszenierung und Jeffrey M. Howards Drehbuch die Zuschauer bedeutsam ernster als noch der seichte, uninspirierte Vorgänger. Dies liegt unter anderem daran, dass ungleich fester an der Spannungsschraube gedreht wird: Direkt im Prolog zerreißt es ein wichtiges Getriebeteil, weshalb der erfolgreiche Rennflieger Dusty nicht länger seinen Traum leben kann. Da Dusty dies nicht wahrhaben will, geht er bei einem nächtlichen Testflug weit über seine Grenzen hinaus und verursacht dabei einen Unfall, in dessen Folge den Behörden auffällt, wie unfähig der örtliche Feuerschutz ist. Um seinem alternden Freund von der Feuerwehr die Blamage der Zwangsrente zu ersparen, willigt Dusty ein, sich zum Feuerwehrflieger ausbilden zu lassen. Dazu geht er in einem nah gelegenen Nationalpark in die Lehre und macht dabei nicht nur mit illustren Feuerbekämpfern Bekanntschaft, sondern auch mit dem gestrengen Ausbilder Blade Ranger.

Diese geradlinige Story erfindet das Rad zwar ebenso wenig neu wie die Handlung von Planes, wird aber mit viel mehr Esprit erzählt und fußt stärker als das lustlose "Malen nach Zahlen"-Skript des Rennsportfilms auf den Handlungen des Daueroptimisten Dusty. Dessen Entscheidungen haben in Planes 2: Immer im Einsatz auch stets Konsequenzen, was für eine kindgerechte Dramatik sorgt: Erst muss Dusty, der sich erfolgreich in einer eigentlich eh nie für ihn gedachten Welt austobte, eine Pause vom ihn auslaugenden Rennsport nehmen. Dann verursacht er beim Versuch, sich bezüglich seiner körperlichen Leistungsfähigkeit selbst zu betrügen, einen Unfall, der nicht nur seine Lage in Mitleidenschaft zieht, sondern auch die Unbeteiligter. Und erst einmal im Nationalpark angekommen ist es seine gefährliche Mixtur aus steter Selbstüberschätzung und einem auf Unerfahrenheit treffenden Helferdrang, die Dusty und seine Mitstreiter im Kampf gegen Waldbrände in brisante Situationen manövriert.

Robert Gannaway schreckt in den dynamischen Actionsequenzen nie davor zurück, die Gefährlichkeit eines Waldbrandes für Natur und ... äh ... Vehikelbevölkerung aufzuzeigen. Die Leinwand wird mehrmals von bedrohlichen Rauchschwaden und höllisch roten Flammen dominiert, so dass die Figuren von der Naturgewalt förmlich verschluckt werden. Im Gegensatz zum letztjährigen Planes-Film, der nach einer DVD-Produktion aussah, befindet sich dieses Sequel hinsichtlich der Animation auf gehobenem Kinoniveau. Zwar sind die Charaktere weiterhin weniger vital als ihre Cars-Pendants, doch insbesondere die Rauch- und Feuerpartikel, das Hitze anzeigende Flackern der Luft und die weitläufige, bildhübsche Aussicht des Nationalparks machen Planes 2: Immer im Einsatz zu einer visuellen Wucht, die sich locker mit jüngeren Produktionen aus den Häusern Illumination Entertainment oder Blue Sky Studios messen lassen kann. Der cartoonige Einfallsreichtum der DreamWorks-Filme Die Croods oder Die Abenteuer von Mr. Peabody & Sherman wird auf optischer Ebene wohlgemerkt nicht erreicht, der Detailreichtum dieser Produktionen wird dagegen vielleicht sogar überboten. Planes 2: Immer im Einsatz ist also tatsächlich wie fürs Kino gemacht, was sich auch im imposanten 3D widerspiegelt, das gerade die Actioneinlagen noch aufregender macht. Kleine Zuschauer dürften von ihnen wie gefesselt sein, das ältere Publikum dagegen kann sich zwar stets den Ausgang der Szenen denken, dank der schwungvollen Inszenierung ist Planes 2: Immer im Einsatz trotzdem durchwegs unterhaltsam.

Gleichwohl erkennt Robert Gannaway die lächerliche Natur dieser Filmreihe und nutzt dies zu seinem Vorteil: Wo Planes noch beim Versuch, seine fiktive Welt durch dramatische Enthüllungen zu vergrößern, eine Bruchlandung hinlegte, scheint Planes 2: Immer im Einsatz den Irrsinn des Cars-/Planes-Universums zu akzeptieren und setzt abseits des zentralen Plots auf ansteckende Heiterkeit. Auch Planes 2: Immer im Einsatz beinhaltet eine Enthüllung, was Dustys neuer Mentor in seiner Vergangenheit trieb, statt einer abgeschmackten und die Logik des Films in Frage stellenden Weltkriegsreferenz gibt es hier aber urkomische Anspielungen auf die Popkultur der 70er und 80er zu sehen. Generell gehen die Dialoge leichtfüßiger und spaßiger mit dem gebotenen Material um und sind vermehrt an einfallsreichen, selbstironischen oder einfach nur verspielt-albernen Wortwitzen interessiert, statt daran, die Planes-Welt als schlüssiges Filmuniversum darzustellen, was eh brutal zum Scheitern verurteilt ist.

Ebenso sind die Nebenfiguren zwar weiterhin flach und einseitig, aber immerhin wirkt es so, als wüssten die Filmemacher das, so dass sie das Figurenensemble wenigstens auf den Unterhaltungsfaktor hinbürsten. Von einer frivol-gruseligen Stalkerin über einen keinerlei Gefahrensituation erkennenden, schleimigen Lodgebesitzer (in der deutschen Fassung saukomisch: Axel Malzacher) sind die meisten Charaktere allein darauf aus, für Kurzweil zu sorgen. Misslungen ist allein ein veralteter Ureinwohner-Stereotyp (der mit einer makaberen Lagerfeuergeschichte allerdings einen unerwartet guten Lacher auf seiner Seite hat), außerdem nerven die gelegentlichen Pupswitze, die sich einfach nicht in die Stimmung dieses von Mark Mancina musikalisch treibend untermalten Films fügen wollen. Mit dem verbissenen Blade Ranger (effektiv: Henning Baum) und einem älteren Autoehepaar, das einen durch seine sympathische Ausstrahlung im Finale durchaus mitfiebern lässt, gibt es daneben aber noch immer ein paar Figuren, die keine reine Lachnummern sind.

Ärgster Kritikpunkt ist lediglich der Schluss, der die lobenswerte Aussage von Planes 2: Immer im Einsatz mit Blick auf weitere Fortsetzungen etwas untergräbt. Diese DisneyToon-Studios-Produktion strotzt vor Respekt für Brandbekämpfer und unterrichtet sein junges Publikum ganz mühelos nicht nur darin, dass nicht allein Sportler Idole sein können, sondern auch darin, dass es manchmal einen alternativen Karrierepfad einzuschlagen gilt. Letzteres wird aber, um dem viel durchmachenden Dusty einen sprichwörtlichen Knochen (Kolben?) hinzuwerfen, korrumpiert, obwohl die positive Laune des Films auch ohne dieses Eingeständnis beibehalten werden könnte. Das ist zwar bedauerlich, da Planes 2: Immer im Einsatz aber für die Art Film, die er sein will, sonst geradezu beispielhaft gelungen ist, lässt sich dies verschmerzen.

Montag, 18. August 2014

Planes


Seit der von John Lasseter mitinszenierte Animationsstreifen Cars 2 in die Kinos düste, haben zahllose Pixar-Fans (und einige, die es einst waren) ein filmisches Lieblingsopfer. Die Agenten-Actionkomödie war visuell zwar ein Prachtwerk mit Hintergründen, die eine feine Balance zwischen Realismus und Imagination hielten, inhaltlich erstickt das wilde Treiben des Abschleppwagens Hook dagegen in Kritikpunkten. Anstrengende Gags, eine dümmliche Figurenzeichnung und die wohl giftigste Moral, die je vom Walt-Disney-Pictures-Markenlogo begleitet in die Lichtspielhäuser kam, machen Cars 2 zur Antithese solcher Meisterwerke wie Toy Story 3.

Als würde Pixar nicht schon im Alleingang eifrig an seinem Thron in der Welt der Computertrickfilme sägen, erhielt die Produktionsschmiede aus Emeryville bald darauf tatkräftige Unterstützung von den DisneyToon Studios. Mit Planes startete das Produktionshaus, das auch die TinkerBell-Filme verantwortet, sein eigenes, kleines Franchise im Cars-Look. Nicht nur, dass die sprechenden Flugzeuge aus Planes ein ähnliches Charakterdesign aufweisen wie die Pixar-Karren: Eine Einblendung im Film sowie ein penetrant im Marketing verwendeter Claim besagen, dass Planes in, Verzeihung, ÜBER der Welt von Cars spielt. Das Problem daran? Gelegenheitszuschauer können selbst nach jahrelangen Versuchen der Marvel Studios, sich als eigenständige Marke zu etablieren, nicht den Unterschied zwischen einer Marvel-Eigenproduktion wie Iron Man 3 und einem Marvel-Lizenzfilm wie X-Men – Zukunft ist Vergangenheit erklären. Wenn also zwei inhaltlich strikt voneinander getrennte Filmuniversen in den Augen vieler Kinogänger verschmelzen, wie soll ein unbescholtenes Publikum auseinanderhalten können, wo in, über und unter der Welt von Cars die Pixar-Künstler mitmischten und was von Disneys Merchandisingmaschinerie angeleiert wurde?

Es wäre kein so drastisches Problem, hätte Planes den Anspruch, der alten Disney-Maxime gerecht zu werden, gute, herzliche Geschichten für ein generationenübergreifendes Publikum zu erzählen. Aber schon die Erfahrung lehrte, dass die DisneyToon Studios nur selten nach diesen Sternen greifen. Da aber mit dem ersten TinkerBell-Film bereits ein anderer Startschuss für eine lang angelegte Reihe zu diesen Ausnahmen zählt, ist es niemandem zu verübeln, wenn er allen Warnungen zum Trotz mit einem Funken der Hoffnung an Planes herantritt.

Ob Planes eine optimistische Sichtweise verdient hat, hängt von der Erwartungshaltung ab. Wer befürchtet, dass die ursprünglich als DVD-Premiere geplante Produktion schlimmer ist als Cars 2, wird die austauschbaren Seichtheit von Klay Halls Regiearbeit wohlig in Empfang nehmen. Wer selbst von den DisneyToon Studios einen kleinen Funken der Disneymagie einfordert, könnte mit Planes so seine Probleme haben.

Die Geschichte eines Niemands, der für seinen großen Traum kämpft und ihn sich schlussendlich erfüllt, ist eine der großen Standarderzählungen des Familienfilms, und selbst wenn diese Narrative kaum noch für Überraschungen gut ist, kann sie noch immer unterhalten. Zuletzt machte etwa Turbo aus dem Hause DreamWorks Animation so mancher Mängel zum Trotz Spaß. Und gerade mit Blick auf die Kernzielgruppe, die längst nicht so viele Filme kennt und die sich daher an ausgelutschten Storylines längst nicht so sehr stört wie erwachsene Fans, sei hier dem Kernplot von Planes kein Haar gekrümmt. Dusty Crophoppers Wunsch, von der Landwirtschaft in den Rennsport zu wechseln, ist nachvollziehbar und unschuldig genug, um der Figur ein Minimum an Sympathie zukommen zu lassen.

Die Mängel von Planes liegen woanders. So begnügten sich die Autoren nicht damit, aus dem Protagonisten ein Sprühflugzeug zu machen, das sich zu höherem berufen fühlt. Der orange bemalte Flieger muss auch noch Höhenangst haben. Und das macht aus dem knuffigen Träumer Dusty eine kleine Lachnummer. Ein schnelles Flugzeug, das im Laufe seines Abenteuers Ängste überwinden muss? Fein. Ein langsames Flugzeug, das über seine Grenzen hinausgeht? Gut. Aber beides auf einmal? Das ist für diesen seichten, kantenlosen Film zu viel, da es je nach Betrachtungsart Dustys gigantische Probleme zu simpel darstellt oder aber Dusty wie einen absolut verblendeten Naivling zeichnet.

Ist dies noch zu verzeihen, machen die Nebenfiguren Planes durchaus schwerer verdaulich. Abgesehen von Jedermann Dusty sind sämtliche Teilnehmer am weltumspannenden Flugwettbewerb übertriebene Karikaturen ihrer Nationen: Der prahlerische mexikanische Wrestler, die philosophisch-geistliche Inderin, der versnobte Brite … Über ihre stereotype Oberfläche reichen diese Randcharacktere nie hinaus, während Dusty Freunde aus seiner Heimat über eine burschikose Mechanikerin hin zu einem Furzwitze machenden, dümmlichen Hook-Abklatsch reichen. Die Krönung des Ganzen ist aber Dustys Mentor Skipper Riley, ein knallharter Kriegsveteran mit dunklem Geheimnis. Da Skipper nicht nur eine raue Schale hat, sondern auch einen verlogenen Kern, wäre diese Figur eine willkommene Abwechslung von den restlichen, einschläfernd flachen Figuren in dieser Geschichte. Doch dann kommt die große Enthüllung, dass die Figur eine reale Schlacht im Zweiten Weltkrieg geschlagen und seine Division an Soldaten ins Verderben manövriert hat. Und an dieser Stelle hört der Spaß auf.

Elemente der Düsternis gehören zu Disney wie gute Musik. Aber während Meisterwerke wie Schneewittchen und die sieben Zwerge mit einem schaurigen Wald, Pinocchio mit einer erschreckenden Transformation oder Aladdin mit einem riesig-schlangenhaften Schurken eigene Schauermomente erschaffen, bedient sich Planes bequem an einer wahren, dunklen Stunde der Menschheitsgeschichte. Da der Zweite Weltkrieg sonst nichts mit den Themen des Films zu tun hat, ist dies nicht nur unangebracht und aus erzählerischer Sicht faul, es wirft auch massenhaft Fragen über die fiktive Welt von Planes und Cars aus. Gab es also ein Hitler-Vehikel, das jüdische Fahrzeuge vergasen ließ? Japanische Flugzeuge, die einen amerikanischen Flugzeugträger bombardierten? Ein Auto des Typs Ente namens Donald, das in einem Film gegen die Naziautos wetterte?!

Nicht nur das Drehbuch schludert dann und wann, auch visuell ist Planes nicht ganz ausgegoren. Teilweise sind die Hintergründe fast auf Cars-Niveau: Voller Details, die teils fantasievoll sind, teils für einen erhöhten Realismus sorgen. Andere Schauplätze sind allerdings auffallend-weitläufig leer, wieder andere sehen zwar gut aus, sind aber inkonsequent gestaltet: Sind in Cars 2 alle Gebäude so geformt, dass Autos und Flugzeuge in ihnen Leben können, sind in Planes manche Bauten in Menschenproportionen gehalten. Ist dies ein Makel für das geübte Auge, sorgt die Inszenierung einiger Dialogszenen bei Animationskennern wie auch beim Durchschnittszuschauer für einen Mangel an Engagement: Oft stehen die Figuren in einer Halbtotalen regungslos nebeneinander, wenn sich allein ihre Münder und Augen bewegen. Das ist visuell nicht sonderlich aufregend und macht bemerkbar, für welchen Markt und welches Budget der Film verwirklicht wurde.


Immerhin ist Planes aber kurz und auch relativ schnörkellos erzählt, so dass die Längen ausbleiben, die den ursprünglichen Cars-Teil plagten. Und da auch die gewaltigen moralischen Fehltritte von Cars 2 ausbleiben, ebenso wie solch nervenden komödiantischen Einlagen wie die vom rostigen Abschlepper Hook, ist Planes immerhin harmlose Unterhaltung für die ganz kleinen. Und große Animationsfans werden in den seltensten Fällen in Planes eine gute Investition sehen – aber wenigstens schmerzt diese Produktion nicht.